Klinikroutine

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Diagnose und Behandlung
Diagnose
Behandlung
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Behandlung (6)

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Behandlung

Diagnose (8)

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Diagnose

Was ist die PSMA-PET/CT?

Die “PSMA-PET/CT” ist eine relativ neue Methode zur Darstellung von Prostatakrebszellen im Körper zur Ausbreitungsdiagnostik. Dabei werden winzige Mengen einer radioaktiven Substanz in den Körper injiziert, die daraufhin durch den gesamten Körper wandert und spezifisch an das Antigen PSMA bindet, das nahezu ausschließlich von Prostatakrebs produziert wird. Währenddessen liegt der Patient in einer donut-förmigen PET-Scan-Maschine, wo in Kombination mit einer CT- und/oder MRT-Untersuchung ein dreidimensionales Bild erzeugt wird, das die Prostatakrebszellen auf einem Monitor aufleuchten lässt wie einen Weihnachtsbaum. Dadurch sieht man exakt, ob der Tumor noch da ist, und wenn ja, wo genau.

Der signifikante Einfluss auf das Therapieregime: Wem nützt sie?

Nun stellt sich für Betroffene die Frage, in welchem Stadium der Erkrankung die diagnostische Methode helfen kann. Die gute Antwort darauf ist: In jedem, vorwiegend sogar in fortgeschrittenen! Denn sie bietet eine allgemein deutlich weniger invasive Alternative zur Biopsie und MRT. In vielen Fällen behält man dabei sogar die Kleidung an, weswegen sie von einem Großteil der Patienten insgesamt als gemeinhin angenehmer betrachtet wird.

Prostatakrebs-Experten wie Dr. Mark Scholz, medizinischer Direktor der “Prostate Oncology Specialists Inc.” in Kalifornien, bewerten die Methode als besonders akkurat, noch genauer als andere Formen von Diagnostiken wie Knochenszintigraphie und CAT-Scans. Die PSMA-PET-Diagnose gibt Klarheit, ob es sich bei fraglichem Gewebe um Prostatakrebs handelt oder eben nicht. Das bedeutet, dass der PSMA-PET-Scan nicht nur die Erstdiagnose erleichtert, sondern auch das Therapiemanagement grundlegend verändert, indem sie allen Patienten eine metastasen-gerichtete Therapie ermöglicht. Die Scans liefern wesentliche Informationen für den weiteren Behandlungsplan Betroffener und geben mit klaren Antworten auf die Fragen “Wohin hat sich mein Tumor ausgebreitet?” und “Hat er sich überhaupt ausgebreitet” Gewissheit über den Tumorstatus. 

Personen mit einem High-Risk-Prostatakarzinom (Gleason Score 8 - 10) ziehen aus der Methode wohl mehr Nutzen als Männer potentieller Behandlung durch Active Surveillance mit einem Gleason Score von 6, weil man hier sowieso recht sicher davon ausgehen kann, dass keine Ausbreitung im Gange ist. Ausbreitungsdiagnostik findet also nur dort einen Sinn, wo eine Ausbreitung realistisch ist. Doch neben der Beobachtung von Metastasen bieten PSMA-PET-Scans zusätzlich die Möglichkeit zur Kontrolle, ob ein Prostatakrebs nach einer Prostatektomie erfolgreich entfernt wurde. Schließlich lässt sich dadurch auch die individuelle Eignung für z.B. eine Lu-177-Behandlung feststellen, die noch in einem weiteren Artikel näher beleuchtet wird.

Welche Nachteile hat die PSMA-PET/CT?

Die Verwendung der gewöhnlichen 68Ga-PSMA-Tracer ist komplett nebenwirkungsfrei, da die injizierte Menge minimal ist. Bei anderen kann es vereinzelt zu temporären Kopfschmerzen, Geschmacksveränderungen oder Fatigue (Müdigkeit) kommen, die normalerweise allesamt von selbst wieder verschwinden. Außerdem möglich - wenn auch selten - ist eine allergische Reaktion des Patienten auf das Kontrastmittel.

Darüber hinaus kommt es trotz der hohen Genauigkeit der Methode gelegentlich zu Fehldiagnosen. Das rührt daher, dass es einen geringen Prozentsatz an Prostatakrebszellen gibt, die kein PSMA produzieren und auf diese Weise nicht detektiert werden können. Gleichzeitig kann PSMA unter bestimmten Umständen auch von anderen Krebsarten oder selten auch von Nicht-Krebszellen exprimiert werden, was dazu führen kann, dass eigentlich gesunde Patienten fälschlicherweise ein positives Ergebnis erhalten. Aber das Risiko einer falsch positiven oder falsch negativen Aussage ist geringer als bei sämtlichen anderen Diagnosemethoden.

Derzeitige Verfügbarkeit in Österreich

Tatsächlich ist der PSMA-PET-Scan in Österreich bereits in den meisten großen Krankenhäusern fester Bestandteil des klinischen Behandlungsansatzes und insofern auch für jeden zugänglich. Die dafür benötigten Geräte sind in jeder üblichen Nuklearmedizin-Station ohnehin bereits vorhanden. Relevant sind neben dieser Standard-Einrichtung lediglich die prostataspezifischen Radio-Tracer 18F-Cholin und 68Ga-PSMA und die Kontrastmittel für das CT, welche in den Arm des Patienten injiziert werden.

Wenn man sich diese Untersuchung im niedergelassenen Bereich wünscht, empfehlen wir, vorher abzuklären, ob die jeweilige Versicherung die Kosten trägt.

Wichtig: Wir von PATIO sind darum bemüht, unsere Informationen zu prüfen und mit Expert:innen abzusichern. So erfolgte die Freigabe der Texte durch Dr. Melanie Hassler von der MedUni Wien. Dennoch dienen Artikel auf patiospots.com ausschließlich zur Informationsübermittlung und ersetzen kein Ärztinnengespräch. Jeder Prostatakrebs muss individuell betrachtet und ärztlich abgeklärt werden.

Autor: Jonas Winter


Quellen (zuletzt abgerufen am 24.4.2023):

Die Biopsie beschreibt die operative Entnahme kleiner Mengen von Prostatagewebe, das im nächsten Schritt in einem Labor untersucht wird. Durch das Biopsat erhalten Ärztin und Patient Aufschluss über die zelluläre Struktur des Gewebes, wodurch einerseits erschlossen werden kann, ob überhaupt ein bösartiges Karzinom vorliegt und wie aggressiv sich dieses verhält. Im Falle eines positiven Ergebnisses wird dabei auch direkt der Gleason- oder PI-RADS-Score festgestellt, der gemeinsam mit anderen Faktoren zur Risikobestimmung dient und die weitere Therapieempfehlung bestimmt. 

Oftmals wird noch vor der Biopsie eine MRT durchgeführt, bei der bereits vorab die Notwendigkeit einer solchen eingeschätzt wird. Das Verfahren selbst dauert allerdings lediglich 10 bis 15 Minuten und beinhaltet etwa 12 Stiche. Es geschieht meist unter lokaler Betäubung oder unter dem Einsatz von Beruhigungsmitteln, kann in Ausnahmefällen aber auch unter Vollnarkose stattfinden. Die Biopsie kann entweder transrektal durch den Enddarm oder transperineal durch den Damm bzw. das Perineum (Stelle zwischen Hodensack und After) erfolgen. Je nach Art der Biopsie wird dabei gleichzeitig ein Ultraschall der Prostata vorgenommen oder zuvor ein MRT durchgeführt. Der Vorgang ist ähnlich wie beim Zahnarzt im Normalfall nicht schmerzhaft, kann sich aber für manche Patienten aufgrund des spürbaren Drucks unangenehm anfühlen. Ist die Biopsie abgeschlossen, kann der Patient sofort wieder entlassen werden. Auf den Befund muss er in der Regel 2-3 Tage warten, gelegentlich aber auch etwas länger. 

Mögliche Nebenwirkungen

Die Biopsie ist grundsätzlich ein üblicher Routineeingriff im klinischen Alltag. Mit Komplikationen ist demnach normalerweise nicht zu rechnen. Dennoch gehört sie letztlich zur invasiven Diagnostik, weswegen der Körper auf sehr unterschiedliche Weise auf die Stiche sowie die zurückbleibenden Einstichkanäle reagieren kann. Zu möglichen unangenehmen Nebenwirkungen zählen

  • Blutergüsse oder Blutungen im Bereich des Einstichs
  • kleine Narbe an der Einstichstelle
  • Infektionen mit folglicher Einnahme von Antibiotika 
  • Verletzungen benachbarter Organe oder internem Gewebe
  • Erschöpfung und Müdigkeit als Folge einer Vollnarkose
  • Allergische Immunantwort (Hautausschläge, Juckreiz, Atemnot, Schwindel) als Reaktion auf bestimmte Betäubungsmittel oder Antibiotika)
  • schmerzhafte Überdehnung der Blase aufgrund eines verstopften Blasenausgangs oder geschwollener Prostata

Nichtsdestotrotz sind alle aufgezählten Begleiterscheinungen eine Seltenheit und mit Ausnahme der Narbenbildung nur temporär. Auch generell ist die Gefahr drastischerer Maßnahmen schon dadurch reduziert, dass der Patient im Rahmen der Biopsie bereits in professionellen Händen ist und direkte Ansprechpartner:innen hat, sollte er Unannehmlichkeiten bemerken. In dem Fall ist zudem meist relativ schnell klar, worauf die Schmerzen zurückzuführen und wie sie bestmöglich zu behandeln sind.

Da die Nadel während der Biopsie ständig abwechselnd in direkten Kontakt mit von Krebs befallenem Gewebe tritt, stellt sich für viele Betroffene die Frage, ob hier beim Herausziehen nicht Krebszellen verteilt und dadurch Metastasen begünstigt werden. Das ist zwar eine Sorge, die definitiv ihre Berechtigung hat, aber glücklicherweise damit beantwortet werden kann, dass Studien bisher keinen solchen Effekt nach einer Biopsie festgestellt haben. Das liegt einerseits daran, dass die Menge an Zellen, die dadurch verstreut wird, sehr klein ist und gleichzeitig auch an den bestimmten Eigenschaften, denen Krebszellen unterliegen, um metastasieren zu können und die bei nicht-metastasiertem Krebs normalerweise nicht gegeben sind. 

Es ist letztlich immer eine Frage der Tumorart und der Biopsiemethode. Bei der Diagnose des Prostatakarzinoms gibt es jedenfalls keinen Grund zur Sorge – bei anderen Krebsarten wie bei Weichteilsarkomen – kann es dagegen durchaus im Bereich des Einstichkanals zu Metastasen kommen.

Debatte: Transrektale oder Transperineale Biopsie

Die Frage, ob die transrektale oder transperineal Biopsie die bessere ist, ist mittlerweile seit über 50 Jahren ein heißer Diskussionspunkt unter Urolog:innen. Dabei liegt der Unterschied im Wesentlichen lediglich darin, dass die Nadel bei der transrektalen Biopsie durch den Mastdarm und bei der transperinealen durch den Damm (zwischen Hodensack und After) gestochen wird. Da die Biopsie ohnehin unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt wird, berichten Betroffene von keinem merkbaren Gefühlsunterschied. Allerdings entstehen bei der rektalen Methode üblicherweise kleine Verletzungen in der Darmschleimhaut, was dazu führen kann, dass Darmbakterien in die Prostata einschwemmen. Dadurch ist letztlich das Risiko septischer Komplikationen, wie beispielsweise Fieber und Atemnot als Folge einer symptomatischen Infektion bei der rektalen Biopsie vier bis acht Mal so hoch wie bei der perinealen, was wohlgemerkt die schlimmste erwartbare Konsequenz des Eingriffs ist!

Aus diesem Grund sowie ihrer Sicherheit und diagnostischen Aussagekraft wegen, gilt die perineale Methode als allgemein schonender und besser. So empfehlen auch die offiziellen ärztlichen Leitlinien zur Behandlung von Prostatakarzinomen, dass die transperineale Biopsie ihrem Gegenpart vorgezogen werden soll. Spannenderweise ist die abgeratene transrektale Variante in der österreichischen Urologie nach wie vor die gängigere. Begründet wird das häufig mit dem Argument der höheren Praktikabilität, und dass Antibiotika dazu dienen, das Infektionsrisiko niedrig zu halten. Ob die ärztegesellschaftlich angeratene Variante in den folgenden Jahren auch in den österreichischen Praxen und Kliniken Anklang findet, wird sich zeigen – die offizielle Empfehlung liegt derzeit jedoch sehr eindeutig bei der transperinealen Biopsie.

Die Biopsie im Vergleich zu anderen Diagnostikverfahren

Innerhalb der urologischen Community wird sehr rege darüber diskutiert, wie man insbesondere mit invasiven Diagnosemethoden als Routinemethoden für Screenings umgehen sollte. Die allgemein geltende Devise lautet:

So invasiv und häufig wie nötig, jedoch so schonend und selten wie möglich.

Folglich steht damit auch die Frage in Zusammenhang, inwieweit die Überdiagnose vieler klinisch wenig relevanter Tumore das Erfassen wenig klinisch relevanter Prostatakarzinome rechtfertigt. Tatsächlich wird Prostatakrebs nämlich etwa 50 - 60% überdiagnostiziert. Insofern gibt es zwar bereits sehr erfolgreiche Bemühungen, durch vorangehende Magnetresonanztomographien (MRTs) Patienten mit niedriger Tumor-Wahrscheinlichkeit bereits vorab auszusortieren, wodurch die Biopsie-Rate teilweise um bis zu 40% reduziert werden kann. Doch eine qualitativ gleichwertige und massentaugliche Alternative für die Prostatabiopsie gibt es derzeit leider noch nicht. 

MRT-  sowie Ultraschalluntersuchungen können allenfalls Andeutungen über Gewebeveränderungen liefern und der PSMA/PET-Scan ist derzeit zu aufwändig und teuer, um im Bereich des Screenings eingesetzt werden zu können. Sie werden die Biopsie daher in absehbarer Zeit nicht ersetzen. Einzig das neu aufkommende Liquid-Biopsy-Verfahren könnte in näherer Zukunft Veränderungen herbeiführen. Sie ist eine minimal-invasive Diagnosemethode, die bereits in manchen Praxen angeboten wird. Anstatt des festen Gewebes werden hierbei Körperflüssigkeiten entnommen, was in der Regel deutlich angenehmer für den Patienten ist. Die ausreichende Optimierung dieser Methode für den Alltag in Kliniken und Praxen wird jedoch aller Voraussicht nach noch ein wenig dauern. Bis dahin gilt die transperineale Biopsie jedenfalls als der medizinische Goldstandard in der Prostatakrebs-Diagnostik.

Wichtig: Wir von PATIO sind darum bemüht, unsere Informationen zu prüfen und durch Fachkundige abzusichern. Die Kontrolle der Texte durch eine Fachperson ist derzeit noch ausständig. Artikel auf patiospots.com dienen ausschließlich zur Informationsübermittlung und ersetzen kein ärztliches Gespräch. Jeder Prostatakrebs muss individuell betrachtet und medizinisch abgeklärt werden.

Autor: Jonas Winter


Quellen:

Die Magnetresonanztomographie (MRT oder MRI) ist ein diagnostisches Verfahren, das die detaillierte Darstellung innerer Organe ermöglicht. Spricht man heutzutage von der “MRT”, so ist im Prostata-onkologischen Kontext außerdem immer das multiparametrische mpMRT gemeint, das die aktuellen Qualitätsstandards definiert. In 16 bis 27 Schnittbildern kann man dadurch sehr genau erkennen, ob ein Prostatakarzinom im Körper vorhanden ist oder sich ein bestehendes ausgebreitet hat. Die MRT ist wichtig für die Erstellung einer Diagnose, da dadurch Krankheiten festgestellt oder ausgeschlossen werden können. Physikalisch basiert die MRT auf sehr starken Magnetfeldern im Radiofrequenzbereich, die bestimmte Atomkerne im Körper anregen, wodurch schließlich ein elektrisches Signal gemessen werden kann. Dabei entsteht keinerlei belastende Strahlung. Die MRT ist nach derzeitigem Wissensstand ungefährlich und schmerzlos. Lediglich die Injektion von Kontrastmittel und der dabei entstehende Lärm kann für manche Menschen unangenehm oder beängstigend sein bzw. in seltenen Einzelfällen zu allergischen Reaktion führen.

Noch vor Beginn der Untersuchung müssen Patienten aufgrund des starken Magnetfelds jegliche metallische Gegenstände und Geräte ablegen. Dazu zählen Schmuck, Hörgeräte, Brille, Geld, Gürtel, Haarspangen etc. Im Falle von Tattoos oder nicht-abnehmbarer Implantate wird dringend dazu geraten, sich mit den zuständigen Ärztinnen und Radiologen in Verbindung zu setzen. Die Auswirkungen der MRT darauf können stark variieren. Ist der Patient frei von metallischen Gegenständen, wird er in ein Donut-förmiges Untersuchungsgerät geschoben, wo er für 10 bis 30 Minuten in Ruhe wartet. Je weniger er sich dabei bewegt, desto schöner und genauer wird das entstehende Bild. Danach ist die Untersuchung zu Ende und der Patient kann sein Ergebnis mit nach Hause nehmen. Der Befund geht dann direkt an den zuweisenden Arzt.

Für Betroffene stellt sich an dieser Stelle womöglich die Frage: Genügen der PSA-Wert und ein Biopsieergebnis nicht, um Prostatakrebs festzustellen? Dazu sei gesagt: Prinzipiell schon. Jedoch deutet ein hoher PSA-Wert leider nicht sonderlich spezifisch auf Prostatakrebs hin. Das bedeutet, dass ein aufsehenerregender PSA-Anstieg in 64% aller Fälle aus anderen Gründen erhöht ist, wie zum Beispiel aufgrund einer Prostataentzündung, einer gutartigen Prostatavergrößerung oder einfach altersbedingt. Gleichzeitig bedeutet ein niedriger PSA-Wert nicht automatisch, dass kein Tumor vorhanden ist. Die Biopsie hingegen ist zwar sogar äußerst spezifisch, tendiert aber dazu, das Ausmaß und den Grad des Karzinoms zu unterschätzen. Insofern stellt die mpMRT den medizinischen Standard dar, um einen bestmöglichen Überblick für die weitere Behandlung zu ermöglichen.

Einordnung und Bewertung der MRT-Ergebnisse (PIRADS-Score)

Grundsätzlich beinhaltet ein MRT-Ergebnis die Wahrscheinlichkeit, ob optische Auffälligkeiten vorhanden sind, die auf Prostatakrebs hinweisen könnten, und wie aggressiv sich dieser ausbreiten wird sowie die Lokalisation der von Krebs betroffenen Stellen und auch die Bemerkung etwaiger Prostata-abhängiger oder -unabhängiger Zufallsbefunde. Für eine möglichst genaue Beantwortung der zentralen Frage, ob überhaupt ein Prostatakarzinom vorhanden ist, wird das europäisch einheitliche PI-RADS-Score-Punktesystem herangezogen. Die Einordnung in die fünf PI-RADS-Klassen lautet demnach wie folgt:

  • Score 1 - Eine klinisch signifikante Erkrankung ist sehr unwahrscheinlich
  • Score 2 - Eine klinisch signifikante Erkrankung ist eher unwahrscheinlich
  • Score 3 - Eine klinisch signifikante Erkrankung ist uneindeutig und möglich
  • Score 4 - Eine klinisch signifikante Erkrankung ist eher wahrscheinlich
  • Score 5 - Eine klinisch signifikante Erkrankung ist sehr wahrscheinlich

Allgemein bezeichnet man dabei die Scores 1 und 2 als unauffällig, aber mit einem Restrisiko verbunden, weswegen zusätzlich eine PSA-gestützte Kontrolle angeboten werden kann. Verdächtige Areale mit einem PI-RADS Score zwischen 3 und 5 gelten dagegen als abklärungsbedürftig und sollten gezielt biopsiert werden. Beobachtet die Ärztin noch weitere Auffälligkeiten, so werden auch diese vermerkt und in eine 5-Punkte-Skala eingeordnet. Beispiele dafür sind etwa ungewöhnliche extrakapsuläre Ausdehnungen, das Vordringen des Tumors in die Samenblase, etwaige Gefäß-Nervenbündel und optische Abweichungen in der Rektalwand und dem Blasenhals. 

Tatsächlich gibt es allerdings auch gutartige Veränderungen, die Prostatakrebs im MRT-Bild imitieren und das Ergebnis unklar machen können. Dazu zählen zum Beispiel Prostatitis, stromareiche Prostatahyperplasie, Gewebeschwund, Blutungen und sogar Kalkablagerungen. Die wichtigsten geweblichen Merkmale, die zur Unterscheidung beitragen, sind eine erhöhte sichtbare Zelldichte, verkleinerte mikroskopische Zwischenräume, ein verringerter extrazellulärer Raum wie auch die Gefäßneubildung. Insgesamt erscheint Prostatakrebs im Tomogramm als lokal begrenzte geringe Signalintensität vor dem Hintergrund des Drüsengewebes mit hoher Signalintensität. In der Übergangszone gleicht der Tumor in seiner Form einer Linse mit unscharfen Rändern, die einer mit Radiergummi verwischten Zeichnung mit Kohlestift ähnelt.

Für wen ist ein MRT sinnvoll?

Die Gelegenheit, eine MRT-Aufnahme von sich erstellen zu lassen, ist grundsätzlich immer sehr wertvoll und schadet nie. Dringend notwendig ist sie vor Antritt einer neuen spezifischen Behandlung. Das heißt, egal ob vor einer Hormon- oder Radiotherapie, eines radikalen Eingriffs oder nur der Active Surveillance – das MRT ist ein absolutes Muss für die Erwägung solcher Maßnahmen. Ansonsten ermöglicht es insbesondere im Rahmen der Erstbiopsie, gezielter und genauer nach einem Tumor suchen zu können. Die Kombination einer solchen MRT-gestützten, gezielten und systematischen Biopsie erreicht nachweislich bessere Detektionsraten als die jeweiligen Methoden allein, ist allerdings aufwendiger als eine Einzeldiagnostik.

Generell kann man sagen: Die  MRT dient dazu, sich Gewissheit über die Präsenz und Ausbreitung des Prostatakarzinoms zu verschaffen und ist bei all jenen Patienten sinnvoll, bei denen diesbezüglich Zweifel aufkommen und eine Absicherung erforderlich wird.

Zugänglichkeit der MRT in Österreich

Die MRT-Diagnostik fällt in den Aufgabenbereich der Radiologie. Wer in Österreich derzeit eine solche Untersuchung in Anspruch nehmen möchte, muss unter Umständen mit langen Wartezeiten rechnen. Zwar ist seit 2018 vertraglich vereinbart, dass der Terminerhalt bei regulären Patienten innerhalb von 20 Tagen und bei dringlichen, wie eben einem konkreten Tumorverdacht, in 5 Tagen erfolgen muss. Eingehalten werden kann dieser Zeitraum jedoch leider nicht immer, wobei man am kürzesten in Wien und Niederösterreich und am längsten in Oberösterreich, Burgenland und Salzburg wartet. Mit zwei bis drei Wochen sollten Patienten demnach grundsätzlich rechnen, wenn sie eine MRT-Untersuchung beantragen.

Gemäß der ÖGK wird für eine MRT-Untersuchung lediglich die Zuweisung der behandelnden Ärztin benötigt, die ab dem Ausstellungsdatum ein Monat gültig ist. Eine Bewilligung der Krankenkasse ist dabei mit Stand Juni 2023 bei Vertragsinstituten und -partnern nicht notwendig. Auch bei Wahlinstituten kann ein Antrag auf Kostenerstattung gestellt werden, dieser ist jedoch nicht gewährleistet und wird je nach Fall unterschiedlich gehandhabt.

Wichtig: Wir von PATIO sind darum bemüht, unsere Informationen zu prüfen und durch Fachkundige abzusichern. Die Kontrolle der Texte durch eine Fachperson ist derzeit noch ausständig. Artikel auf patiospots.com dienen ausschließlich zur Informationsübermittlung und ersetzen kein ärztliches Gespräch. Jeder Prostatakrebs muss individuell betrachtet und medizinisch abgeklärt werden.

Autor: Jonas Winter


Quellen: 

Sich mit seiner Erkrankung auseinanderzusetzen, ist für viele Betroffene ein wichtiges Bedürfnis. Die charakteristischen Merkmale seiner Krebsart zu kennen, vermittelt das Gefühl, Kontrolle darüber zu haben und nicht ausschließlich fremden Meinungen ausgesetzt zu sein. Es ist gut, kritisch zu hinterfragen, was mit seinem eigenen Körper passiert oder passieren soll - wichtig ist dabei, dass man sich an Stellen informiert, die vertrauenswürdig sind. Gerade im Internet sieht man zahlreiche Artikel und Personen, die mittels angeblicher neuartiger Behandlungen großartige Heilungsaussichten versprechen. Wissentlich, dass zwischen professionellen Angeboten oftmals auch betrügerische Absichten stecken, fällt es uns trotzdem gelegentlich schwer, zu differenzieren, wo fundierte Wissenschaft beginnt und Unfug endet.

Informiert kritisch hinterfragen - die S3-Patientenleitlinie

Aus diesem Grund hat die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die Stiftung Deutsche Krebshilfe je eine Leitlinie für lokal begrenztes sowie lokal fortgeschrittenes und metastasiertes Prostatakarzinom veröffentlicht. Dieser Ratgeber soll helfen, im ärztlichen Gespräch die “richtigen” Fragen zu finden, über den aktuellen wissenschaftlichen Behandlungsstand aufklären und auf Beratungsangebote hinweisen. 

Wie kann die S3-Patientenleitlinie nun helfen? Nehmen wir ein Beispiel: Du hast in einer Broschüre im Krankenhaus von einer Praxis in Deiner Nähe gelesen, die Kryotherapie für Prostatakrebs anbietet. Dabei sollen Krebszellen mittels gezieltem Einsatz von Kälte zerstört werden. Du schlägst also in der Patientenleitlinie für das lokal fortgeschrittene und metastasierte Prostatakarzinom nach und findest auf Seite 53 die Information, dass es für die Wirksamkeit der Kryotherapie keine ausreichend gesicherten wissenschaftlichen Nachweise gibt und sie daher nicht empfohlen wird. Aus dem gleichen Grund der mangelnden Wirksamkeit übernehmen auch Krankenkassen keine Kosten.

Ein anderes Beispiel: Ein Bekannter erzählt Dir, er hätte neulich von LDR-Brachytherapie gelesen und empfiehlt sie Dir. Erneut suchst du in der Patientenleitlinie für das lokal begrenzte Prostatakarzinom entweder im Inhaltsverzeichnis oder im PDF-Dokument auf deinem Computer mittels der Tastenkombination Strg+F nach der LDR-Brachytherapie. Auf Seite 60 liest Du, dass diese Therapie laut ärztlicher Leitlinie nur für das lokal begrenzte Prostatakarzinom mit geringem Risikoprofil empfohlen wird. 

Die Perspektive der Ärzt:innen - die S3-Leitlinie

Wer noch einen Schritt weiter gehen und den aktuellsten Stand der Wissenschaft überblicken möchte, kann zudem die veröffentlichte S3-Leitlinie für das Prostatakarzinom aufschlagen. Kurz gesagt, treffen sich regelmäßig diverse Fachgesellschaften und Organisationen bestehend aus Expert:innen zum Thema Prostatakrebs und diskutieren neue Studien. Schließlich werden im geschlossenen Expertenkreis Abstimmungen erhoben und in der Leitlinie der jeweilige Konsens abgebildet, der zu verschiedenen Therapien herrscht, welche Komplikationen zu beachten sind und für wen welche Therapie geeignet bzw. nicht geeignet sein könnte. Über manche Themen herrscht dabei klare Einigkeit unter den Wissenschaftlern, während andere wiederum vielseitiger diskutiert werden, woraus sich nur abgeschwächte Empfehlungen ergeben - je neuartiger das Thema, desto schwieriger lässt sich Konsens finden. Diese Empfehlungen sind in jedem Fall ausführlich begründet und mit Studien versehen, die öffentlich einsehbar sind. Entsprechend dient die S3-Leitlinie vor allem auch für praktizierende Ärzt:innen als wichtiges Nachschlagewerk und Orientierung. 

Die Leitlinie als Bestärkung des Patienten

Die S3-Leitlinie ist darum auch ein wertvolles Hilfsmittel für Dich als Betroffenen, dem auf diese Weise dieselben Informationen zur Verfügung gestellt sind und der sich tiefgehend mit aktuellen Therapieempfehlungen auseinandersetzen kann. Selbstverständlich bedeutet das allerdings nicht, dass jede:r Ärzt:in immer zwangsläufig nach den S3-Leitlinien handeln muss. Jedes Prostatakarzinom verhält sich anders und ist individuell zu betrachten. Solltest Du also feststellen, dass dein:e Ärzt:in Dir eine Behandlung entgegen der Leitlinie vorschlägt, musst du also keinesfalls in Panik geraten. Auf Nachfrage erklärt sie bestimmt gerne, wie sie zu ihrer Einschätzung kommt. Und sollte Dich die Entscheidung nach wie vor beunruhigen, kannst Du Dir immer noch eine Zweit- oder Drittmeinung einholen. Schlussendlich soll die Leitlinie dabei helfen, die oftmals intransparenten Abläufe Deines Erkrankungsweges besser nachzuvollziehen und Dich nicht weiter hilflos fühlen zu lassen.

Autor: Jonas Winter


Unter Gentest versteht man eine DNA-Analyse, bei der anhand einer Blut- oder Tumorprobe molekularbiologisch das Erbmaterial untersucht wird. Gentests sind eine innovative Möglichkeit zur personalisierten Diagnose und spielen eine wesentliche Rolle bei der Ursachensuche der Prostatakrebs-Erkrankung. Dabei wird die DNA in einem Labor auf bekannte genetische Mutationen untersucht, die erheblich zur Entstehung und zum Fortschreiten des Tumors beitragen. Die Tests können ärztlich empfohlen, aber auch auf Eigeninitiative angefordert werden und dienen zur besseren Einschätzung des persönlichen Risikos zur Krebs-Metastasierung.

Für wen eignet sich der Test?

Entgegen der Erwartung der meisten Menschen richten sich Gentests vielmehr an bereits direkt Betroffene und sind nicht Teil einer gewöhnlichen Vorsorgeuntersuchung. Es geht vor allem darum, konkrete Eigenschaften des Prostatakrebses zu bestimmen, um daraus die Anfälligkeit zu bestimmen, mit der ein lokales Karzinom zu einem metastasierten oder fortgeschrittenen voranschreitet. Die Auswertung kann die personalisierte ärztliche Behandlungsempfehlung beeinflussen und frei nach dem Motto “Je besser man seinen Feind kennt, desto besser kann man gegen ihn vorgehen” eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Tumors spielen. Konkret können dadurch im Rahmen der Active Surveillance Anpassungen in der Regelmäßigkeit von Biopsien oder Behandlungsmaßnahmen bei fortgeschrittenen Tumoren getroffen werden. 

Betroffenen mit einem Gleason Score größer als sechs wird der Test frühestens ab dem Alter von 40 Jahren und unter bestimmten familiären Voraussetzungen empfohlen. So rät etwa das NCCN-Gutachten aus 2022 erst dann zur Vorsorge-Gentestung, wenn bereits zwei blutsverwandte Angehörige mit Prostata- oder Brustkrebs in Berührung gekommen sind. Ist man bereits von metastasiertem Prostatakrebs betroffen, zieht man einen besonders großen Nutzen aus dem Gentest, da an diesem Punkt entscheidender Handlungsspielraum besteht. Je nach Art der Mutation spricht das Karzinom nämlich entweder auf PARP-Inhibitoren oder Immuntherapie an, auf die wir bald in einem weiteren Artikel näher eingehen.

Wie kommt man zum Test? Wie wird er durchgeführt?

Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Testung: die Keimbahn-Testung und die somatische Tumor-Testung. Die Keimbahn-Testung erfordert lediglich eine Blutprobe, während für die Tumor-Testung Prostatakrebsgewebe aus einer Stanzbiopsie vonnöten ist. Dieses muss nicht zwingend frisch sein, sondern es kann auch eine ältere Probe verwendet werden. (Der Unterschied zwischen Keimbahn- und somatischer Mutation wird im untenstehenden Teil zu “genetischen Veränderungen” erklärt.)

Das entnommene Probenmaterial wird nun ins Labor geschickt, wo das in den Zellen enthaltene Erbgut isoliert wird. Infolgedessen wird maschinell sehr genau die DNA-Abfolge abgelesen und mit bereits bekannten Referenz-Genen abgeglichen. Dabei wird überprüft, ob an irgendeiner Stelle ein genetischer “Abschreibfehler” passiert ist, der das Entstehen des Tumors erklären könnte. Zwischen dem Zeitpunkt der Probenentnahme und dem Erhalt der Analyseergebnisse vergehen in der Regel zwischen zwei und drei Wochen. Danach folgt ein ärztliches Klärungsgespräch, in dem das Resultat besprochen und etwaige sinnvolle Behandlungsanpassungen getroffen werden. Beide Tests sind normalerweise mit wenig Aufwand verbunden und daher in den meisten Prostatazentren verfügbar. Die Kosten belaufen sich auf etwa 200€ und können von der Krankenkasse übernommen werden, eine frühzeitige Abklärung diesbezüglich ist jedoch empfehlenswert.

Wie kommt es zu genetischen Veränderungen?

Die eigenen Gene müssen sich häufig gar nicht allzu drastisch ändern, um Krebs zu begünstigen. In vielen Fällen sind sie vererbt und seit der Geburt im Körper verankert. Diese Art der Mutation bezeichnet man als Keimbahn-Mutation. Sie kann weitervererbt werden und war quasi schon immer da. In der Fachsprache bezeichnet man diese Eigenschaft als hereditär. So tragen zum Beispiel Brüder und Söhne von Betroffenen ein zweifach erhöhtes Risiko in sich, ebenfalls an Prostatakrebs zu erkranken. Noch höher ist die Anfälligkeit, wenn bereits mehrere blutsverwandte Familienmitglieder betroffen und/oder bereits mit jungem Alter erkrankt sind. Nicht hereditär sind hingegen somatisch bedingte Mutationen. Das bedeutet, dass sich die genetische DNA im Lauf des Lebens irgendwann spontan verändert hat. Diese Veränderung ist zumeist minimal und kann je nach Stelle, wo sie aufgetreten ist, entweder gar keine Auswirkung haben, oder sogar ganze Gene und die Bildung wichtiger Moleküle ausschalten. An dieser Stelle sei gesagt, dass solche Mutationen in allen funktionalen Zellen unseres Körpers immer wieder auftreten und das per se nichts Ungewöhnliches ist. 

Man kann sich die genetische Stabilität der menschlichen DNA in etwa wie ein Jenga-Spiel vorstellen, bei dem jedes Jahr ein Block herausgenommen und oben auf den Turm gelegt wird. Insbesondere am Anfang des Spiels lässt sich der Turm dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Erst später im Leben wird er – wie auch im Spiel – immer fragiler, bis schließlich ein sehr entscheidender Block herausgenommen wird und der Turm bzw. das Gen zusammenfällt. Spannenderweise gibt es im Körper sogar einen Mechanismus, der den Turm wieder zerlegen und ordentlich zusammenbauen kann. Besonders kritisch wird es aber, wenn durch Mutationen ein genau solches Gen funktionslos gemacht wird, dessen Aufgabe die Reparatur wäre. Diese Art der Gene nennt man Tumorsuppressorgene - sie unterdrücken Tumorbildung. Wie Du nun eventuell richtig vermutest, geht es bei der beschriebenen Gentestung um genau diese. Die wichtigsten und am häufigsten mutierten lauten BRCA1 und BRCA2 – Namen, die eigentlich erstmals bei Brustkrebs entdeckt wurden, spannenderweise aber auch in zahlreichen anderen Tumorarten – darunter eben auch Prostatakrebs – vorkommen.

Fakt ist: Tatsächlich werden in bis zu 30% der Patienten mit Prostatakarzinom in den Tumorzellen genetische Veränderungen gefunden, die den physiologischen Mechanismus der DNA-Reparatur beeinflussen. Die häufigsten davon betreffen die BRCA-Gene. Patienten mit Mutationen in diesem Bereich weisen ein erhöhtes Risiko für eine Prostatakarzinom-Erkrankung auf und ihre Prognose wird als ungünstiger eingestuft, was jedoch keinesfalls bedeutet, dass betroffene Personen nicht mehr gesund werden können. Ganz im Gegenteil hilft das Wissen über die eigene Genetik, um die persönliche Erkrankung besser zu verstehen und sie effektiver behandeln zu können. Gentests sind bei Prostatakrebs ein wertvolles Mittel zur Präzisionsmedizin und in ausgewählten, vor allem fortgeschrittenen Fällen empfehlenswert, jedoch nicht als Standard-Vorsorge notwendig.

Wichtig: Wir von PATIO sind darum bemüht, unsere Informationen zu prüfen und durch Fachkundige abzusichern. Die Kontrolle der Texte durch eine Fachperson ist derzeit noch ausständig. Artikel auf patiospots.com dienen ausschließlich zur Informationsübermittlung und ersetzen kein ärztliches Gespräch. Jeder Prostatakrebs muss individuell betrachtet und medizinisch abgeklärt werden.

Autor: Jonas Winter


Quellen:

Die Einordnung des Tumors in eine Risikoklasse dient dazu, der Ärztin und dem Patienten eine Einschätzung über die Gefährlichkeit des Karzinoms zu ermöglichen und soll helfen, ein Gefühl für die Notwendigkeit und etwaige Dringlichkeit weiterer Behandlungen zu geben. Die Klassifizierung ergibt sich aus vielen unterschiedlichen Faktoren, allen voran dem PSA-Wert, Gleason-Score und klinischen Tumorstadium, die im Rahmen einer umfassenden urologischen Untersuchung festgestellt werden. Im Weiteren werden all jene Aspekte erläutert, deren Heranziehen zur Entscheidung über weitere Behandlungsmaßnahmen unumgänglich sind.

1. PSA-Wert

Du hast bestimmt schon mal von Hämoglobin gehört. Das ist ein Protein, das 90% unserer roten Blutkörperchen ausmacht und für die typisch rote Farbe unseres Blutes verantwortlich ist. Inmitten all dieses Hämoglobins schwimmen noch viele weitere Moleküle – darunter auch das prostataspezifische Antigen, das üblicherweise als PSA abgekürzt wird und nahezu doppelt so groß ist wie das bekannte Blutprotein. Untersucht man im Labor das Blut eines Patienten, kann so unter anderem die Menge des PSAs ziemlich genau ermittelt werden. Erhält man dabei zum Beispiel einen PSA-Wert von 6, bedeutet das konkret, dass pro Milliliter Blut 6 Nanogramm PSA-Moleküle enthalten sind. 

Inwiefern hilft uns das? 

PSA ist ein Enzym, das primär von der Prostata produziert wird und dessen Menge ansteigt, wenn sich in der Prostata etwas tut. Ist dieser Wert also sehr hoch, ist das häufig ein Indiz dafür, dass die Prostata wächst, wodurch schließlich auch das Wachstum von Prostata-Krebszellen erfasst wird.

Der PSA-Wert kann grundsätzlich durch eine Vielzahl verschiedener Faktoren temporär erhöht sein. Der PSA-Wert steigt so zum Beispiel teils durch Medikamente oder alltäglichen Druck auf die Prostata, wie es zum Beispiel beim Radfahren oder Reiten der Fall ist. Aber auch unmittelbar nach einem Samenerguss ist er erhöht. Auch der altersbedingte Anstieg des PSAs ist völlig normal. Pathologische Gründe können eine Harnwegs- oder Prostataentzündung (Prostatitis), eine gutartige Vergrößerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie, BPH) oder eben letztlich auch ein bösartiges Karzinom sein. Welcher Grund nun vorliegt, gilt es im weiteren Schritt herauszufinden.

Übrigens: Auch andere Körperorgane können in kleinen Mengen PSA produzieren. So zum Beispiel die Brust-, Schild- und Speicheldrüsen sowie die Lungen, Hoden und sogar die Gebärmutter. Dass der PSA-Wert auch nach einer Prostatektomie und bei Frauen über 0.0 liegt, ist demnach vollkommen normal und unbedenklich!

“Typische” und “bedenkliche” PSA-Werte

Die Menge an PSA im Blut variiert im Gegensatz zu vielen anderen medizinischen Werten wie dem Blutzuckerwert sehr stark konsequenzlos von Person zu Person. Viele Fachgesellschaften definieren einen Wert ab 4 ng/mL als klärungsbedürftig. Viel aussagekräftiger als der reine Wert ist jedoch die (relative) Veränderung der PSA-Menge im Laufe der Zeit, da er in der Momentaufnahme durch oben genannte Faktoren temporär gefahrenfrei erhöht sein kann und verändert sich im Laufe des Lebens. Eine mögliche Einteilung könnte so aussehen:

  • 0 bis 35 Jahre: PSA-Wert <1 unbedenklich
  • 35 bis 50 Jahre: PSA-Wert <2,5 unbedenklich
  • Älter als 50 Jahre: PSA Wert <4 unbedenklich

Ist der Wert dennoch erhöht, ist das noch kein Grund zur Panik. Der PSA-Wert dient zwar als wichtiger Indikator bei Prostatabeschwerden, ist aber als alleiniger Faktor noch nicht ausreichend aussagekräftig, um mit Gewissheit einen Tumor bestimmen zu können. Für die Diagnose eines Tumors müssen daher noch weitere Untersuchungen wie die Stanzbiopsie und ein MRT durchgeführt werden, um weitere wesentliche Anhaltspunkte wie den Gleason-Score und das Tumorstadium zu erhalten.

2. Gleason-Score

Der Gleason-Score ist ein Bewertungssystem, das die Gewebeveränderungen in der Prostata bewertet. Im Rahmen einer Stanzbiopsie werden mit einer Nadel entweder zufällig oder systematisch zwischen 10 und 12 Proben entnommen, woraus die beiden auffälligsten Biopsien für die weitere Begutachtung herangezogen und im weiteren Verlauf unter dem Mikroskop auf bestimmte Muster kontrolliert werden. Konkret wird dabei die Entartung der Zellen auf einer Skala von 1 bis 5 beurteilt, wobei 1 für gesundes Prostatagewebe steht und 5 für stark abnormes.

Folglich werden die beiden höchsten Bewertungen addiert, um den Gesamtwert des Gleason-Scores zu erhalten, woraus sich die folgende Einordnung ergibt:

  • Gleason-Score ≤ 6 (3+3) = gutartig
  • Gleason-Score 7 (3+4 und 4+3) = mittelgradig bösartig
  • Gleason-Score 8 bis 10 (4+4, 5+4 und 5+5) = hochgradig bösartig

Der erhaltene Wert gibt Aufschluss darüber, wie aggressiv der Krebs ist und wie schnell er sich ausbreiten kann. Ein hoher Gleason-Score kann infolgedessen andeuten, dass eine aggressive Behandlung notwendig ist, um den Krebs zu bekämpfen. 

Insofern ist der Gleason-Score ein wichtiger Indikator für Abnormität in der zellulären Gewebestruktur des Prostatakrebses und trägt gemeinsam mit den anderen Faktoren dazu bei, die richtige Entscheidung für der Wahl der Behandlung zu treffen, was letztlich darauf abzielt, die Überlebenschancen der Patienten zu verbessern.

3. Tumorstadium

Auch verwendet für die Klassifizierung von Prostatakarzinomen wird die Einordnung des Tumorstadiums in ein Spektrum zwischen T1 und T4. Dabei wird mittels Bildgebungsverfahren wie MRT oder PSMA/PET-Scan dargestellt und beschrieben, wie weit die momentane Ausbreitung des Tumors reicht. Die konkrete Unterteilung erfolgt dabei folgendermaßen:

  • T1: Der Tumor ist so klein, dass man ihn weder mittels bildgebender Verfahren noch während der urologischen Tastuntersuchung erkennen kann. Erfassen kann man diesen demnach ausschließlich durch eine Biopsie oder inmitten einer Operation.
    • T1a: Der Tumor-Anteil beträgt weniger als 5% des entnommenen Gewebes
    • T1b: Der Tumor-Anteil beträgt mehr als 5% des entnommenen Gewebes
    • T1c: Der Tumor wurde durch eine Biopsie festgestellt, nachdem ein steigender PSA-Wert beobachtet wurde
  • T2: Der Tumor ist direkt mit der Prostatadrüse verbunden:
    • T2a: Der Tumor belagert weniger als 50% eines Drüsenlappens.
    • T2a: Der Tumor belagert mehr als 50% eines Drüsenlappens.
    • T3a: Der Tumor belagert beide Drüsenlappen.
  • T3: Der Tumor hat sich über die Hülse, die die Prostata umgibt, hinweg ausgebreitet:
    • T3a: Der Tumor ist durch die Hülse gewandert, ohne dabei in die Samenbläschen einzudringen.
    • T3b: Der Tumor ist in die Samenbläschen eingedrungen
  • T4: Der Tumor ist in Strukturen oder Gewebe nahe der Prostata eingedrungen, die über die Samenbläschen hinausgehen (z.B. in den Blasenhals, in den Enddarm oder in den Beckenboden

Bewertung des Tumor-Risikos

Zieht man die drei genannten Faktoren heran, lässt sich jeder Tumor in eine der folgenden Risikostufen kategorisieren:

  • Geringes Risiko: Der Tumor weist alle folgenden Eigenschaften auf:
    • einen PSA-Wert ≤ 10 ng/mL
    • einen Gleason Score ≤ 6
    • ein klinisches Stadium zwischen T1 und T2a
  • Mittleres Risiko: Der Tumor weist mindestens eine der drei folgenden Eigenschaften auf:
    • einen PSA-Wert zwischen 10 und 20 ng/mL
    • einen Gleason-Score von 7
    • ein klinisches Stadium von T2c

und kann als Tumor mit niedrigem Risiko ausgeschlossen werden.

  • Hohes Risiko: Der Tumor weist mindestens eine der drei folgenden Eigenschaften auf:
    • einen PSA-Wert größer als 20 ng/mL
    • einen Gleason-Score zwischen 8 und 10
    • ein klinisches Stadium größer/gleich T2c

Zusammenfassung

Der PSA-Wert gibt an, ob und in welchem Ausmaß die Prostata wächst bzw. sich im Gewebe etwas tut.
Der Gleason-Score beschreibt, wie weit die Entartung der Prostatazellen fortgeschritten ist und welche Aggressivität der Tumor erwarten lässt.
Das Tumorstadium gibt Aufschluss über die bereits vorangeschrittene Ausbreitung des Tumors innerhalb und außerhalb der Prostata.

Es ist wichtig, anzumerken, dass trotz des recht transparenten und relativ eindeutigen Bewertungsschemas jeder Tumor individuell zu betrachten ist, weswegen die Risikoeinschätzung in Ausnahmefällen von den aufgezählten Einordnungen abweichen kann. In jedem Fall sollten die Therapie- und Behandlungsvorschläge der Ärztinnen immer nachvollziehbar für den Patienten sein. Solltest Du also essenzielle Fragen bezüglich deines Therapieplans oder der Gefährlichkeit deines Prostatakrebses haben, zögere deshalb keinesfalls, die Urologin oder den Urologen Deines Vertrauens aufzusuchen.

Wichtig: Wir von PATIO sind darum bemüht, unsere Informationen zu prüfen und durch Fachkundige abzusichern. Die Kontrolle der Texte durch eine Fachperson ist derzeit noch ausständig. Artikel auf patiospots.com dienen ausschließlich zur Informationsübermittlung und ersetzen kein ärztliches Gespräch. Jeder Prostatakrebs muss individuell betrachtet und medizinisch abgeklärt werden.

Autor: Jonas Winter


Quellen:

Prostatakrebs-Früherkennung mittels PSA-Wert-Ermittlung:

Der PSA-Wert lässt sich über eine Blutuntersuchung bestimmen und gibt Aufschluss darüber, ob sich die Prostata verändert. Eine Veränderung kann gutartig oder bösartig sein, weshalb für Männer ab 45 Jahren ein regelmäßiger PSA-Check empfohlen wird, um Krebs möglichst früh erkennen zu können. Mehr dazu erzählt dir Vinzenz in seinem Video:

Für eine flüssige Erklärung ist die Verwendung mancher Fachwörter unvermeidlich und auch Ärzte vergessen gelegentlich, für sie alltägliche - für die breite Bevölkerung jedoch ungewöhnliche - Begriffe genauer zu erklären. Aus diesem Zweck listen wir hier eine Reihe von Begriffen aus dem kleinen Wörterbuch für Betroffene von Prostatakrebs, entnommen aus dem Leitlinienprogramm der Onkologie, auf, um Betroffenen die barrierefreie Kommunikation zu erleichtern.

adjuvant 
Bezeichnet im Rahmen einer Krebsbehandlung Maßnahmen, die eine heilende Behandlung unterstützen: zum Beispiel eine zusätzliche Bestrahlung nach der Operation oder eine unterstützende Hormonentzugstherapie während der Bestrahlung.

Afterloading
Anderer Begriff für die Hochdosis-Brachytherapie. Dabei wird eine relativ starke Strahlendosis gezielt auf den Tumor gerichtet. Die Behandlung wird in der Regel zwei- bis dreimal durchgeführt.

akut
Vordringlich, dringend, in diesem Moment.

ambulant
Bei einer ambulanten Behandlung kann der Patient unmittelbar oder kurze Zeit nach Beendigung wieder nach Hause gehen. Er wird nicht stationär aufgenommen.

Anastomosenstriktur
Eine durch Narbenbildung verursachte Verengung am Blasenhals, die unangenehme Probleme beim Wasserlassen verursacht.

Antiandrogene (siehe Artikel "Hormontherapie (ADT)")
Werden bei der Hormonentzugstherapie eingesetzt. Diese Wirkstoffe sorgen dafür, dass das männliche Sexualhormon Testosteron in der Prostata – speziell in den Tumorzellen – nicht wirksam werden kann. Männer, die mit Antiandrogenen behandelt werden, haben einen normalen Testosteronspiegel

Antibiotikum
Medikament, das Bakterien abtötet.

Bestrahlung
Bestrahlung (auch Radiotherapie) beschäftigt sich mit der medizinischen Anwendung von ionisierender Strahlung (zum Beispiel Röntgenstrahlung) auf den Körper, um Krankheiten zu heilen oder deren Fortschreiten zu verzögern. Durch gezielte Behandlung mit radioaktiver Strahlung können verschiedene bösartige Tumoren entweder vollständig zerstört oder in ihrer Entwicklung gehemmt werden.

Biopsie (siehe Artikel "Prostata-Biopsie")
Gewebeprobe. Bei einer Biopsie wird zur Abklärung eines Tumorverdachts Gewebe entnommen, damit es feingeweblich untersucht werden kann. Dies geschieht im Falle einer Prostatabiospie mit Hohlnadeln, die sogenannte Stanzen aus dem Gewebe herausstechen. Brachytherapie Form der Bestrahlung, bei der die Strahlungsquelle in unmittelbare Nähe des zu bestrahlenden Tumors gebracht wird. Man unterscheidet die Niedrig- und die Hochdosisrate-Brachytherapie. Bei beiden Verfahren handelt es sich um einen operativen Eingriff.

Chemotherapie
Bezeichnet die Behandlung von Krankheiten oder Infektionen durch Medikamente. Umgangssprachlich ist jedoch meist die Behandlung von Krebs gemeint. Die Chemotherapie verwendet Stoffe, die möglichst gezielt bestimmte krankheitsverursachende Zellen schädigen, indem sie diese abtöten oder in ihrem Wachstum hemmen. Bei der Behandlung bösartiger Krebserkrankungen nutzen die meisten dieser Stoffe die schnelle Teilungsfähigkeit der Krebszellen, da diese empfindlicher als gesunde Zellen auf Störungen der Zellteilung reagieren. Auf gesunde Zellen mit ähnlich guter Teilungsfähigkeit hat die Chemotherapie allerdings eine ähnliche Wirkung. Sie kann erhebliche Nebenwirkungen wie Haarausfall, Erbrechen oder Durchfall hervorrufen. chronisch Bezeichnet eine Situation oder eine Krankheit, die längere Zeit vorhanden ist und andauert.

Computertomographie
Bei der Computertomographie wird der untersuchte Bereich aus verschiedenen Richtungen geröntgt. Ein Computer verarbeitet die Informationen, die hierbei entstehen, und erzeugt ein räumliches Bild vom untersuchten Organ. Diagnose Durch das sorgsame Untersuchen, Abwägen und Einschätzen aller Krankheitsanzeichen schließt die Ärztin oder der Arzt auf das Vorhandensein und die besondere Ausprägung einer Krankheit.

erektile Dysfunktion
Potenzstörung, Impotenz. Man spricht von einer erektilen Dysfunktion (ED), wenn ein Mann über einen gewissen Zeitraum keine Erektion bekommen oder halten kann. Eine kurzfristige Erektionsstörung wird nicht als ED bezeichnet. extern Außen, äußerlich, von außen kommend.

Fatigue
Bezeichnet eine Begleiterscheinung vieler Krebserkrankungen: Ausgelöst durch die Erkrankung selbst, durch eine Strahlen- oder Chemotherapie kann es zu Zuständen dauerhafter Erschöpfung, Abgeschlagenheit und Überforderung kommen. fraktionieren Bedeutet im Falle einer Bestrahlung, dass die zu verabreichende Gesamtdosis nicht auf einmal gegeben, sondern auf mehrere Sitzungen verteilt wird.

Gleason-Score (siehe Artikel "Gleason-Score")
(Nach dem amerikanische Pathologen Donald F. Gleason) Um zu beurteilen, wie aggressiv ein Prostatakarzinom sein kann, wird der Gleason-Score bestimmt. Dabei untersucht ein Pathologe die entnommenen Gewebeproben und bestimmt das häufigste und das aggressivste Wachstumsmuster der Krebszellen. Zellverbände, die dem normalen Gewebe noch sehr ähnlich sind, haben einen niedrigen Gleason-Grad, Zellverbände, die sich von gesundem Gewebe sehr stark unterscheiden, haben einen hohen (Werte von 1 bis 5). Die Summe der beiden Werte ergibt den sogenannten Gleason-Score, der für Diagnose und Therapieentscheidung eine wichtige Rolle spielt. Ein Gleason-Score von 6 deutet auf ein niedriges Risiko hin, ein Gleason-Score darüber auf mittleres oder hohes Risiko. Spezielle Bedeutung hat der Gleason-Score 7a, der sich aus dem Grad 3 als häufigstem Wachstumsmuster und 4 zusammensetzt (3+4). Er gilt als mittleres Risiko, allerdings mit guter Prognose. Gray (Gy) (Nach dem britischen Physiker Louis Harold Gray) Bezeichnet die Einheit, welche die Strahlendosis angibt.

HIFU
Abkürzung für Hochintensiver fokussierter Ultraschall. Dabei werden sehr stark konzentrierte Ultraschallwellen gezielt auf das Tumorgewebe gelenkt mit dem Ziel, durch die entstehende Wärme die Krebszellen zu zerstören. histologisch Lehre von den biologischen Geweben. Unter dem Mikroskop werden Zellstrukturen untersucht. Für eine gesicherte Krebsdiagnose ist der Nachweis von Tumorgewebe zwingend.

Hormon (siehe Artikel "Hormontherapie (ADT)")
Bezeichnet Stoffe, die bestimmte Vorgänge und Abläufe im Körper regulieren, zum Beispiel: den Stoffwechsel, das Sexualverhalten oder die Anpassung an Angst und Stress.

Hormonentzugstherapie (siehe Artikel "Hormontherapie (ADT)")
Das Wachstum von Prostatakrebs wird durch das männliche Sexualhormon Testosteron begünstigt. Eine Möglichkeit, das Wachstum zu beeinträchtigen und so den Erkrankungsverlauf zu verlangsamen, ist der Entzug von Testosteron. Dies ist mit Medikamenten oder operativ möglich.

Hyperthermie
Überwärmung; in der Medizin bezeichnet man damit eine Behandlung, bei der die Gewebetemperatur künstlich erhöht wird.

Hypofraktionierte Bestrahlung
Bei dieser Bestrahlung erhalten Sie eine Strahlendosis von insgesamt etwa 74 – 80 Gray. Diese Dosis wird auf mehrere Sitzungen verteilt (fraktioniert). In der Regel dauert eine Bestrahlung sieben bis neun Wochen. Es ist aber auch möglich, die Einzeldosis pro Sitzung zu erhöhen, dafür aber die Dauer der Behandlung auf vier bis sechs Wochen zu verkürzen. Dann spricht man von einer hypofraktionierten Bestrahlung. Sie kann kurzfristig zu mehr Nebenwirkungen führen. Dafür ist sie schneller abgeschlossen.

IGeL
Abkürzung für „Individuelle Gesundheitsleistungen“, bezeichnet medizinische Leistungen, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Häufig ist der Nutzen solcher Leistungen nicht ausreichend nachgewiesen.

Impotenz
Siehe erektile Dysfunktion.

Inkontinenz
Unfähigkeit, etwas zurückzuhalten. Im Ratgeber werden Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz angesprochen.

intern
Von innen.

Intervention
Bezeichnet in der Medizin die aktive Form der Behandlung, zum Beispiel die Operation oder die Bestrahlung. Im Gegensatz dazu stehen die sogenannten defensiven Strategien, die zunächst abwarten und beobachten.

Karzinom
Das Karzinom gehört zu den bösartigen Krebsarten. Das bedeutet: Krebszellen können über die Blut- oder Lymphbahnen in andere Gewebe streuen und dort Absiedelungen bilden. Das Karzinom ist ein vom Deckgewebe (Epithel) ausgehender Tumor.

Kastration
Unterdrückung der Produktion von Geschlechtshormonen im Körper. Das kann durch eine Operation geschehen oder chemisch durch die Gabe von Medikamenten.

Komorbidität
Bezeichnung für Begleiterkrankungen. Zum Beispiel kann ein Prostatakrebspatient gleichzeitig an Diabetes und Bluthochdruck leiden.

Kryotherapie
Arbeitet mit dem gezielten Einsatz von Kälte, um die Krebszellen zu zerstören

kurativ
Mit dem Ziel der Heilung.

laparoskopisch
Die laparoskopische Chirurgie ist ein Teilgebiet der Chirurgie. Durch kleine Schnitte in die Bauchdecke werden ein optisches Instrument und Operationsinstrumente in den Bauchraum eingeführt. Dies wird auch minimalinvasive Chriurgie genannt.

Lymphadenektomie
Operative Entfernung der Lymphknoten. Die entfernten Lymphknoten werden auf Tumorbefall untersucht. So kann festgestellt oder ausgeschlossen werden, dass der Tumor bereits gestreut hat. Dies ist von Bedeutung für die weitere Behandlung.

Lymphknoten
Jedes Organ, also auch die Prostata, produziert eine Zwischengewebsflüssigkeit, die sogenannte Lymphe. Diese wird über Lymphbahnen transportiert und in den Lymphknoten gefiltert.

Magnetresonanztomographie (siehe Artikel "Magnetresonanztomographie (MRT)")
Bildgebendes Verfahren, das zur Diagnostik eingesetzt wird. Von außen können, ähnlich wie bei der Computertomographie (CT), Struktur und Funktion der inneren Gewebe und Organe dargestellt werden. Allerdings beruht dieses Verfahren, anders als Röntgen oder CT, nicht auf Radioaktivität, sondern auf starken elektromagnetischen Feldern.

Metastasen
Bedeutet sinngemäß: die Übersiedlung von einem Ort an einen anderen. Wenn eine Geschwulst entsteht, spricht man vom Primärtumor. Ist dieser Tumor bösartig, so kann er Metastasen bilden, das bedeutet: Einzelne Krebszellen lösen sich vom Primärtumor und wandern durch die Blutbahn an andere Stellen im Körper, um sich dort anzusiedeln.

minimal-invasiv
Eingriffe oder Untersuchungen, die mit möglichst kleinen Verletzungen der Haut und der Weichteile einhergehen („Schlüsselloch-Chirurgie“).

neoadjuvant
Eine unterstützende Behandlung, die bereits vor dem eigentlichen Eingriff durchgeführt wird, also zum Beispiel die Hormongabe vor einer Operation oder Bestrahlung.

negatives Ergebnis und falsch negatives Ergebnis
Von einem negativen Testergebnis spricht man, wenn ein Test keinen Verdacht auf eine Erkrankung (z.B. Krebs) liefert, wenn das Ergebnis also unauffällig ist. Ein falsch negatives Testergebnis ist unauffällig, obwohl tatsächlich ein Tumor vorliegt, das heißt, ein Tumor wurde übersehen.

Neurapraxie
Drucklähmung, vorübergehende Nervenschädigung in den Beinen durch Druck während der Operation.

Nomogramm
Grafische Schaubilder und Modelle, die funktionale Zusammenhänge darstellen, zum Beispiel zwischen den verschiedenen diagnostischen Werten und der Aggressivität des Tumors.

Nuklearmedizin
In der Nuklearmedizin werden offene Radionuklide (radioaktive Stoffe) verwendet, die sich im Körper frei verteilen können. Dies kann durch eine Spritze in die Blutbahn oder durch Tabletten erfolgen, die sich im Magen auflösen. In der Nuklearmedizin erfolgen damit Untersuchungen (zum Beispiel Skelettszintigramm) aber auch Behandlungen (zum Beispiel Radioiodtherapie der Schilddrüse).

Ödem
Krankhafte Ansammlung von Gewebsflüssigkeit in den Zellzwischenräumen.

Onkologie
Fachbezeichnung für den Zweig der Medizin, der sich mit Diagnose, Behandlung und Nachsorge von Krebserkrankungen befasst.

Orchiektomie (siehe Artikel "Hormontherapie (ADT)")
Operative Entfernung der Hoden.

Osteoporose
Krankhafter Schwund des festen Knochengewebes.

palliativ
Lindernd, mit dem Ziel der Linderung, nicht mit dem Ziel der Heilung.

Pathologe
Fachrichtung der Medizin, die sich mit den krankhaften Vorgängen im Körper befasst. Ein Pathologe untersucht zum Beispiel das Gewebe, das bei einer Krebsoperation entnommen wurde, um daraus Rückschlüsse auf Art und Umfang des Tumors zu ziehen.

perineal (siehe Artikel "Prostata-Biopsie")
Der perineale Zugang bei der operativen Entfernung der Prostata ist der Zugangsweg „von unten“ über den Damm.

perkutan
Durch die Haut.

positives Ergebnis und falsch positives Ergebnis
Ein positives Testergebnis weist darauf hin, dass die Krankheit, nach der gesucht wurde, auch tatsächlich vorliegt, es bestätigt also einen Krankheitsverdacht. Ein falsch positives Testergebnis liefert einen Krankheitsnachweis, der sich im Nachhinein als falsch herausstellt, das heißt, es handelt sich um einen „Fehlalarm“.

Prognose
In der Medizin: Vorhersage über den vermuteten Krankheitsverlauf. Progress Fortschreiten der Krebserkrankung durch Tumorwachstum oder Metastasenbildung.

PSA (siehe Artikel "PSA-Wert")
Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist ein Eiweiß, das nur in der Prostata produziert wird. Im Krebsgewebe ist es zehnmal höher konzentriert als in gesundem Prostatagewebe.

Psychoonkologe
Ein Psychoonkologe behandelt die unter Umständen auftretenden seelischen Auswirkungen einer Krebserkrankung. Psychoonkologen sind speziell weitergebildete Psychologen oder Mediziner.

radikale Prostatektomie (siehe Artikel "Radikale Prostatektomie (RPE)")
Die vollständige operative Entfernung der Prostata.

Radiologie
In der Radiologie kommen bildgebende Verfahren unter Anwendung von Röntgenstrahlen, aber auch Ultraschall und Kernspintomographie zur Untersuchung zum Einsatz. Bei der interventionellen (einschreitenden) Radiologie werden auch Behandlungen vorgenommen. Ein Beispiel hierfür ist die Aufweitung von Gefäßen durch eine Ballondehnung. Unter Röntgenkontrolle wird die enge Stelle im Gefäß gesucht, aber die Aufdehnung der Engstelle erfolgt durch einen Ballon.

Rehabilitation
Wiederbefähigung. Unter Rehabilitation werden alle medizinischen, psychotherapeutischen, sozialen und beruflichen Maßnahmen zusammengefasst, die eine Wiedereingliederung eines Kranken in Familie, Gesellschaft und Berufsleben zum Ziel haben. Diese Maßnahmen sollen es den Patienten ermöglichen, besser mit krankheitsbedingten Problemen fertigzuwerden.

Resektion
Die operative Entfernung von krankem Gewebe.

retropubisch
Der retropubische Zugang bei der operativen Entfernung der Prostata ist der Zugang „von vorn“ durch einen Schnitt in die Bauchdecke oberhalb des Schambeins.

Rezidiv
Das Wiederauftreten (Rückfall) einer Erkrankung.

S3-Leitlinie (siehe Artikel "Patientenleitlinie für Prostatakrebs")
Bei einer Leitlinie handelt es sich um eine Orientierungs- und Entscheidungshilfe über die angemessene ärztliche Vorgehensweise. Sie wird von einer Expertengruppe im Auftrag einer oder mehrerer wissenschaftlicher medizinischer Fachgesellschaften erstellt. Die Angaben zu Untersuchungen und Behandlungen der beschriebenen Erkrankungen stützen sich auf wissenschaftliche Nachweise. Eine Leitlinie ist aber kein „Kochbuch“ für Ärzte. Jeder Patient hat seine individuelle Krankengeschichte. Das muss die Ärztin oder der Arzt bei der Behandlung berücksichtigen. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hat ein Klassifikationsschema entwickelt, wobei S3 die höchste Qualitätsstufe ist. Dazu müssen alle Empfehlungen aus der wissenschaftlichen Literatur abgeleitet und in einem festgelegten Vorgang von allen Experten im Konsens ausgesprochen werden. Die wissenschaftlichen Grundlagen für die Leitlinie sind nach ihrer Qualität zu bewerten und entsprechend zu berücksichtigen. Siehe auch: www.awmf-leitlinien.de.

Seeds
Kleine Strahlungsquellen, die ungefähr die Größe von Saatkörnern haben, werden bei der LDR-Brachytherpaie in die Prostata eingesetzt.

Skelettszintigraphie
Nach der Gabe einer radioaktiven Substanz, die sich im Knochen einlagert, wird mit einer Spezialkamera eine Aufnahme des Skeletts gemacht. So können Veränderungen erkannt werden, die auf einen Tumor im Knochen hindeuten können.

Stanzbiopsie (siehe Artikel "Prostata-Biopsie")
Eine Biopsie ist die Entnahme von Gewebe aus dem lebenden Organismus. Bei einer Stanzbiopsie werden die Gewebeproben mit Hilfe von Hohlnadeln aus dem zu untersuchenden Gewebe „gestanzt“.

Strahlentherapie
Fachgebiet der Medizin, das sich mit der Anwendung von hochenergetischen Strahlen zur Behandlung (Therapie) beschäftigt. Verwendet werden dabei durch Geräte hergestellte Strahlen, die von außen in den Körper eindringen, wie Photonen und Elektronen, in Zukunft auch Protonen und schwere Ionen. Außerdem werden radioaktive Elemente (Radionuklide) zu Behandlungszwecken angewendet, zum Beispiel in Form von Seeds oder beim HDR-Afterloading der Prostata. Hierbei kommen – im Gegensatz zur Nuklearmedizin – nur umschlossene Radionuklide zur Anwendung (abgepackt in eine Umhüllung) supportive Therapie Durch die Krebserkrankung können weitere Beschwerden entstehen, die ebenfalls behandelt werden müssen. Dies geschieht im Rahmen einer supportiven Therapie. Testosteron Männliches Sexualhormon, das dafür sorgt, dass Prostatazellen schneller wachsen und sich vermehren. Das gilt besonders für Prostatakrebszellen. Wenn der Testosteronspiegel gesenkt wird, verlangsamt sich das Wachstum der Krebszellen, und nur noch wenige teilen sich.

Therapie
Behandlung, Heilbehandlung.

transrektal
Durch den Enddarm.

Tumor
Geschwulst.

Tumorstadium
Das Tumorstadium zeigt an, wie weit die Tumorerkrankung fortgeschritten ist. Die Einteilung der Erkrankungsstadien richtet sich nach der Größe des Tumors (Kurzbezeichnung: T), ob Lymphknoten befallen sind (Kurzbezeichnung: N) und ob der Tumor sich in anderen Organen angesiedelt (Metastasen gebildet) hat (Kurzbezeichnung: M).

Ultraschall
Schallwellen, die oberhalb des vom Menschen wahrnehmbaren Frequenzbereichs liegen. Diese Schallwellen können zur Bildgebung genutzt werden. Ultraschallwellen sind nicht elektromagnetisch (radioaktiv).

Urologie
Die medizinische Fachrichtung hat die harnbildenden und harnableitenden Organe des Menschen und die männlichen Geschlechtsorgane zum Gegenstand.

Selbsthilfegruppe
Anlaufstelle für Betroffene und Nahestehende, um sich über ein gemeinsames Schicksal auszutauschen; in Österreich prostatakrebse.at; in Deutschland prostata-hilfe-deutschland.de

Du bist im Rahmen Deiner Internetrecherche oder in einem persönlichen Gespräch auf den durchaus auffallenden Begriff „active surveillance“ gestoßen und daran interessiert, mehr darüber zu erfahren? Dann bist Du in diesem Artikel genau richtig! Im Folgenden erfährst Du, was es mit dieser Methode auf sich hat, warum sie auf erstem Blick fast schon verrückt erscheint und unter welchen Bedingungen sie überhaupt infrage kommt.

Was ist “active surveillance”?

„Active surveillance“ ist Englisch und bedeutet übersetzt ganz ernüchternd „Aktive Überwachung“. Im klinischen Kontext versteht man darunter ein Behandlungskonzept von Patienten mit Prostatakrebs, bei der man lediglich in regelmäßigen Abständen (etwa alle drei Monate) den PSA-Wert kontrolliert, der Aufschluss über die Veränderung der Prostata gibt. Ist dieser Wert niedrig oder unauffällig, so ist bis zur darauf folgenden Kontrolle keine weitere Behandlung notwendig. Für den Fall, dass ein auffälliger Schwellenwert überschritten wird (indem sich zum Beispiel der übliche PSA-Wert verdoppelt) oder ein Patient die aktive Überwachung aus anderen Gründen abbrechen möchte, stehen ihm nach genauer Untersuchung Möglichkeiten zur Wahl, die einen Eingriff und/oder eine Behandlung erfordern, wie eine Prostatektomie, aber auch Hormon- oder Strahlentherapie.

Warum entscheidet man sich dagegen, den Tumor direkt zu bekämpfen?

Jetzt fragst Du Dich bestimmt: „Ist das denn überhaupt nicht fahrlässig, seinen Tumor jahrelang nur zu beobachten, ohne ihn zu bekämpfen?“ An diesem Punkt muss gesagt sein: Deine Skepsis ist durchaus berechtigt! Folgt man seiner Intuition, so fühlt sich das in der Tat wenig zielführend an. Warum ist die “active surveillance” dennoch eine der beliebtesten Behandlungen für Betroffene? 

Ganz einfach: um zu verhindern, dass einer Person voreilig ihre Prostata entnommen wird oder um die Nebenwirkungen einer Strahlen- oder Hormontherapie zu vermeiden. Denn Fakt ist: Wer seinen Prostatakrebs bekämpft, verliert mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch Teile seiner Prostatafunktion. Indem eine Prostatektomie hinausgezögert oder gar verhindert werden kann, ist die aktive Überwachung also die beste Option, um seine Sexualfunktion sowie Kontinenz zu bewahren.

Was nämlich viele gar nicht wissen, ist, dass der Tumor bei 60% der Patienten selbst nach acht Jahren noch kein signifikantes Wachstum zeigt. Und für den Fall, dass jener doch wächst und ein gefährliches Ausmaß annimmt, ist immer noch eine Prostatektomie möglich. Ohne dem Krebs seine Gefährlichkeit absprechen zu wollen, muss man dennoch feststellen, dass sich die “active surveillance” als sichere und erfolgreiche Methode erwiesen hat und insofern weitaus weniger riskant ist, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Kurz gesagt: Ein Patient entscheidet sich zugunsten seiner Lebensqualität dafür, den Krebs - und damit auch seine Prostata  möglichst lange zu behalten, muss allerdings bei jedem Kontrolltermin mit der Angst leben, potentiell negative Nachrichten erhalten zu können.

Für welche Patienten kommt die “active surveillance” nun infrage?

Voraussetzung für die aktive Überwachung ist die Verlässlichkeit des Patienten, regelmäßig zu den vereinbarten Terminen zu erscheinen, ein Tumorstadium von cT1 oder cT2a, ein PSA-Wert kleiner als 10 sowie ein Gleason-Score kleiner oder gleich 6, aber auch, dass die Gewebeprobe einer Stanzbiopsie maximal zur Hälfte aus Tumorzellen besteht und lediglich zwei von 12 Biopsien überhaupt Krebszellen enthalten.

Grundsätzlich sind das jedoch nur Empfehlungen. Denn die ausschlaggebende Entscheidung liegt letzten Endes immer bei den Patienten selbst. Wie schon oben erwähnt, trägt die aktive Überwachung nicht gerade zur Gewissheit bei, den Krebs besiegt zu haben. Für viele Betroffene kann das also sehr belastend sein, weswegen die Entscheidung ausschließlich dann getroffen werden sollte, wenn ein Patient selbst absolut davon überzeugt ist und sich damit sicher und wohl fühlt.

Falls Du Dich selbst in der schwierigen Situation siehst, Dich für oder gegen die “active surveillance” entscheiden zu müssen, kann es hilfreich sein, ein Gespräch mit Deiner persönlichen Onkologin bzw. Deinem Onkologen, Deiner Urologin bzw. Deinem Urologen, Deiner Psychologin bzw. Deinem Psychologen, Familie oder Freunden zu suchen. Auch Kontaktaufnahme zu Selbsthilfegruppen wie www.prostatakrebse.at in Österreich oder prostata-hilfe-deutschland.de in Deutschland können in Fragen wie diesen hilfreich sein und darüber hinaus die Gelegenheit bieten, sich allgemein über ein Leben mit Prostatakrebs auszutauschen.

Wichtig: Wir von PATIO sind darum bemüht, unsere Informationen zu prüfen und mit Expert:innen abzusichern. So erfolgte die Freigabe des Textes durch Dr. Melanie Hassler von der Medizinischen Universität Wien. Dennoch dienen Artikel auf patiospots.com ausschließlich zur Informationsübermittlung und ersetzen kein Ärztinnengespräch. Jeder Prostatakrebs muss individuell betrachtet und ärztlich abgeklärt werden.

Autor: Jonas Winter


Quellen:

Was ist Radionuklidtherapie?

Wenn man von Radionuklidtherapie spricht, können bei der Behandlung von Prostatakrebs zwei verschiedene Varianten gemeint sein. Um die beiden zu unterscheiden, benennt die Nuklearmedizin immer auch das genaue Molekül, das dabei eingesetzt wird. So gibt es zum einen die knochenspezifische Variante Radium-223, die als Schmerztherapie bei Knochenmetastasen zur Anwendung kommt, und zum anderen die prostataspezifische Variante Lutetium-177, die das Prostata-spezifische Membran-Antigen (PSMA) binden soll und auf die Verzögerung metastasierter Prostatakarzinome abzielt. Mit dieser zweiten Variante möchten wir uns im Folgenden eingehender beschäftigen.

Wie funktioniert PSMA-Radionuklidtherapie? 

Die PSMA-Radionuklidtherapie funktioniert nach einem ganz einfachen Schema. Alle sechs bis acht Wochen wird dem Patienten intravenös ein spezielles Radiopharmakon, eine Mixtur aus einem Radionuklid und weiteren Wirkstoffen, verabreicht. Dieser Vorgang dauert per se nur ein paar Minuten, kann mitsamt der stationären Nachversorgung und Beobachtung aber einen ganzen Tag beanspruchen. Wie lange die Therapie insgesamt anhält, unterscheidet sich im Einzelfall und hängt davon ab, wie lange der Tumor auf die Behandlung anspricht. Normalerweise durchgehen Patienten vier bis sechs solcher Einheiten. Gelangen die Radionuklide in den Blutkreislauf, ist im weiteren Verlauf ihr Auftrag, die Tumorzellen zu zerstören. Das dabei verwendete Lutetium beschreibt an dieser Stelle tatsächlich einfach nur das Element, das man auf Position 71 des Periodensystems findet. Bestimmte Varianten von Lutetium sind radioaktiv und brechen dabei wie ein molekularer Hydraulikhammer DNA-Doppelstränge in allen Zellen, die sich in unmittelbarer Nähe befinden. Die “177” gibt Aufschluss über eine solche Variante bzw. Isoform des Moleküls - ein technisches Detail, das vor allem für Radiopharmazeut:innen relevant ist. Ganz einfach gesagt geht es bei der Zahl darum, wie stabil das Element ist und wie lange es dauert, bis dieses zerfällt.

Nun magst Du als Leser:in intervenieren, dass sich das Ganze doch in keinster Weise von Chemotherapie unterscheidet, wo ja im Prinzip genau das gleiche passiert - und dein Einwand ist berechtigt! Das Konzept, den Körper und damit auch den Tumor gezielt mittels schädlicher Stoffe zu zerstören, ist heutzutage keine Neuheit mehr. Die Besonderheit liegt nämlich weniger im Schadstoff, sondern vielmehr im sogenannten Liganden. So nennt man in der Nuklearmedizin eine Art molekularen Anker, der sich hochspezifisch an bestimmte Proteine, in unserem Fall an PSMA festankern kann. Wichtig: PSMA klingt zwar ähnlich wie PSA, ist jedoch ein vollkommen anderes Protein. Während PSA als Prostata-Ausscheidungsprodukt ins Blut abgegeben wird, ist PSMA ein fester Bestandteil von Prostatazellen, das zu keinem Zeitpunkt die Zelloberfläche verlässt oder in den Blutkreislauf gelangt. So gelingt es dem Liganden-Anker, unverwechselbar Prostata-artige Zellen zu fixieren, um dort DNA-Schäden zu erzeugen. Verglichen mit der Chemotherapie sind die Kollateralschäden deutlich besser verträglich, da sich das Radionuklid an keiner anderen Stelle im Körper festankern kann. So reduzieren sich die Nebenwirkungen auf Mundtrockenheit, Müdigkeit, Blutbildveränderungen und seltener Nierenprobleme, Haarausfall und Übelkeit.

Das, was die Radionuklidtherapie insgesamt also besonders macht, ist die Eigenschaft des Liganden, spezifisch Prostatagewebe anzusteuern. Das Lutetium-177 ist in weiterer Hinsicht einfach der passende Deckel zum Topf.

Wie etabliert ist die PSMA-Radionuklidtherapie?

Die PSMA-Radionuklidtherapie ist bislang noch neuartig. In der Nuklearmedizin gilt sie als vielversprechend. An welcher Stelle des Behandlungswegs sie die beste Wirkung erzielt, ist noch unklar. Aktuell kommt sie erst dann zum Einsatz, wenn sowohl Hormontherapie als auch Chemotherapie wie Docetaxel in ihrer Wirkung nachlassen. Diverse Studien legen allerdings nahe, dass die Radionuklidtherapie schon vor der Chemotherapie die gewünschten Effekte zeigen kann. Entsprechend gespannt warten wir daher auf die Ergebnisse weiterer Studien, die zum Teil jetzt schon laufen und in den kommenden Jahren veröffentlicht werden. Idealerweise reiht sich die Radionuklidtherapie schon bald in die Reihe der bisher wenigen Werkzeuge, um den metastasierten Verlauf bei Prostatakrebs um wertvolle Monate zu verzögern - und das sogar bei vergleichsweise hoher Lebensqualität. 

In den offiziellen S3-Leitlinien, nach denen sich Ärzt:innen orientieren, ist die PSMA-Radionuklidtherapie bei passenden Voraussetzungen inzwischen offiziell empfohlen und wird in mehreren nuklearmedizinischen Zentren angeboten. Wenn auch Du Dich in einem fortgeschrittenen Stadium befindest und Dich für die PSMA-Radionuklidtherapie interessierst, empfehlen wir, das Gespräch mit Deiner Urologin und einem Behandlungszentrum aufzunehmen. Denn wie gut man auf die Therapie anspricht, lässt sich tatsächlich bereits gut im Voraus abschätzen.

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Wichtig: Wir von PATIO sind darum bemüht, unsere Informationen zu prüfen und mit Expert:innen abzusichern. So erfolgte die Freigabe des Textes durch Radiopharmazeut Dr. Markus Mitterhauser von der Medizinischen Universität Wien. Dennoch dienen Artikel auf patiospots.com ausschließlich zur Informationsübermittlung und ersetzen kein Ärztinnengespräch. Jeder Prostatakrebs muss individuell betrachtet und ärztlich abgeklärt werden.

Autor: Jonas Winter

Was ist die Hormontherapie? Was passiert dabei?

Bei der Hormontherapie, die gemäß der englischen Bezeichnung häufig als “ADT” abgekürzt wird, nehmen Betroffene Medikamente, um ihren Testosteronspiegel zu senken bzw. ihren Androgen-Wert systematisch niedrig zu halten. Das Wachstum von Prostatazellen wird nämlich normalerweise von der Menge des Hormons Testosteron gesteuert. Und eigentlich könnte sie genauso gut Antihormontherapie heißen. Denn die Idee hinter der Hormontherapie ist:

Senkt man im Körper den Testosteronspiegel, können Prostatazellen und infolge auch die Prostata-Tumorzellen weniger schnell wachsen.

Bei Patienten mit einem Prostatatumor beschleunigt also im Normalfall das Androgen Testosteron dessen Wachstum. Um genau das zu verhindern, können sich Ärzt:in und Patient in gemeinsamer Absprache für eine Therapie entscheiden, bei der man durchgehend kontrolliert und beeinflusst, wie viel Testosteron im Körper ist. Für diesen Zweck gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Medikationsvarianten. Diese reichen von Tabletten sowie Nasensprays bis hin zu Injektionen und Implantaten. Dadurch unterdrückt man etwa das Signal im Gehirn, überhaupt Testosteron zu produzieren oder verhindert, dass es in die Zellen eindringen kann.

Welche Varianten der Hormontherapie gibt es?

Wir haben gelernt, dass wir bei der Hormontherapie das Testosteron im Körper eines Betroffenen reduzieren möchten. Auf welche Weise ist das also möglich?

Operativ

Die Orchiektomie

Die effektivste Möglichkeit, die Produktion des Hormons einzustellen, ist die sogenannte Orchiektomie, bei der die Hoden des Patienten entfernt werden. Dabei nimmt man dem Körper im Prinzip die Fabrik des Hormons. Das geschieht zwar weitestgehend schmerzfrei und lediglich unter lokaler Betäubung, ist allerdings eine irreversible Kastration, wodurch Betroffene auf Dauer die Fähigkeit verlieren, Kinder zu zeugen. Die Methode ist im Allgemeinen, je nach Alter und Lebenssituation, also eher unbeliebt.

Medikamentös

LHRH-Antagonisten

Man kann sich LHRH-Antagonisten in etwa wie Falschgeld vorstellen, das man in riesigen Mengen in ein funktionierendes Wirtschaftssystem schleust. Dein Körper versucht dann, bei den GnRH-Rezeptoren in unserem Gehirn Testosteron zu “kaufen”. Aufgrund des plötzlichen Währungsüberschusses wird die Produktion von Echtgeld eingestellt, während der Hypothalamus, wo dieser Kauf stattfindet, aber bei genauerer Kontrolle das Falschgeld bemerkt und ablehnt, wodurch das Hormon kaum noch erfolgreich gekauft werden kann. Ähnlich wie der österreichische Finanzminister braucht unser Körper dabei bis zu sechs Monate, ehe er auf solch ein Problem reagiert. Bis dahin schleust man einfach wieder neues Falschgeld ins System und wiederholt den Vorgang.

Eingenommen werden LHRH-Antagonisten in Form von Spritzen im Bereich des Unterbauches, des Po- oder Oberschenkel-Muskels.

LHRH-Agonisten

Dem Körper LHRH-Agonisten in Form von Injektionen, Implantaten oder Nasensprays zu geben, ist vergleichbar damit, eine Pflanze zu gießen. Unser Körper nutzt sie in erster Linie, um Testosteron zu produzieren. Wie du vielleicht bemerkst, ist das genau das Gegenteil dessen, was man eigentlich damit erreichen möchte. In den ersten Wochen nach Einnahme von LHRH-Agonisten steigt nämlich sogar unser Hormonspiegel. Das ändert sich allerdings rasch: Genauso wie man eine Pflanze zu häufig gießen kann, wirkt sich auch ein LHRH-Überschuss negativ auf die Testosteronproduktion aus. Ab einem gewissen Punkt nimmt unser Körper also kaum mehr Agonisten (das sind Moleküle im Körper, die die Produktion stimulieren) an und produziert kein Testosteron mehr.

Antiandrogene

Bei einer Behandlung mit Antiandrogenen, die meist in Form von Tabletten erfolgt, ist der Körper nach wie vor in der Lage, Testosteron zu “kaufen” und zu produzieren. Für die erfolgreiche Entfaltung des Hormons muss es aber logischerweise erstmals überhaupt in seine Zielregionen wie Prostatazellen gelangen. Der Vorgang klingt also so irrwitzig wie simpel: Nimmt ein Patient ein entsprechendes Medikament zu sich, blockieren die Antiandrogene ähnlich wie politisch engagierte Klimaprotestler die Straßen, die zur Ablagestelle des Testosterons führen. Dadurch kommen keine Androgene in der Zelle an und sie kann nicht weiter wachsen.

Abirateron, Enzalutamid, Apalutamid, Darolutamid und Co.

Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Medikamente, die auf unterschiedlichste Weise die Produktion von Testosteron verhindern, indem sie molekulare Signalwege blockieren. Zum Beispiel manipuliert Abirateron, das ebenfalls als Tablette eingenommen wird, aktiv die Produktion von Androgenen. Konkret wird dabei das Enzym CYP17A1 davon abgehalten, seine Arbeit zu verrichten. Dadurch werden wichtige Schritte im Aufbau von Androgenen verhindert und die Menge an Testosteron im Blut sinkt.

Wie sieht eine Hormontherapie im Alltag von Prostatakrebs-Patienten aus?

Die Hormontherapie wird oft begleitend nach einer Prostatektomie oder zusätzlich zur Strahlentherapie verschrieben, kann aber auch als eigenständige Behandlung durchgeführt werden. Dabei unterscheidet man abseits der Prostatektomie zwischen der kontinuierlichen und der abwechselnden Variante der Methode, die sich im Prinzip lediglich darin unterscheiden, wie häufig Medikamente eingenommen werden müssen. Während man bei der kontinuierlichen Hormontherapie in regelmäßigen Abständen wie z.B. in 3-Monats-Intervallen das Medikament teils prophylaktisch zu sich nimmt, geschieht das bei der abwechselnden Variante immer erst reaktiv, wenn ein bestimmter PSA-Schwellenwert erreicht wird. In einer Befragung von 36 kanadischen Prostatakrebs-Patienten sprachen sich dabei 89% der Teilnehmer für die abwechselnde Variante aus. Sie scheint also deutlich beliebter, wohl auch deswegen, weil sie in der Regel eine seltenere Einnahme von Medikamenten erfordert.

Welche Nebenwirkungen gehen mit einer Hormontherapie einher?

Mit Ausnahme der Prostatektomie sind die Nebenwirkungen aller aufgezählten Varianten nur temporär, das heißt, sie verabschieden sich nach Beendigung der Therapie wieder. Zu rechnen ist mit Hitzewallungen, Müdigkeit, Brustempfindlichkeit, geringem Sexualtrieb, erektiler Dysfunktion (Potenzstörung), Osteoporose, Diabetes und Herz-Kreislauf-Problemen. Letzteres kann bei bereits bekannten Vorerkrankungen problematisch sein, da sie unter Umständen das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko deutlich erhöht. Grundsätzlich kann man also sagen, die Nebenwirkungen ähneln in ihren Symptomen sehr denen der Wechseljahre bei der Frau. Ein sehr zentrales Problem ist darüber hinaus, dass der Krebs langfristig eine Resistenz gegen die genannten Medikamente entwickeln kann, woraufhin dann auf eine andere Therapie umgestiegen werden muss.

Ob und in welcher Form eine Hormontherapie erfolgversprechend ist, entscheidet in jedem Fall Dein:e persönliche:r Ärzt:in gemeinsam mit Dir. Empfehlenswert ist im Behandlungsgespräch, nach den Nebenwirkungen spezifischer Medikamente zu fragen und Dir ein Verständnis darüber anzueignen, was in Deinem eigenen Körper während solch einer Therapie passiert und welchen Risiken Du dabei ausgesetzt bist.

Wichtig: Wir von PATIO sind darum bemüht, unsere Informationen zu prüfen und mit Expert:innen abzusichern. So erfolgte die Freigabe des Textes durch Dr. Melanie Hassler von der Medizinischen Universität Wien. Dennoch dienen Artikel auf patiospots.com ausschließlich zur Informationsübermittlung und ersetzen kein Ärztinnengespräch. Jeder Prostatakrebs muss individuell betrachtet und ärztlich abgeklärt werden.

Autor: Jonas Winter


Quellen (zuletzt abgerufen am 24.4.2023):

Bachelorarbeit von Jonas Winter

Die Prostata ist ein wichtiges männliches (Geschlechts-)Drüsenorgan unterhalb der Blase. Sie stellt dadurch die Verbindung zwischen Harnblase und Harnröhre und ist durch Samenleiter mit den Hoden verbunden. Ihre primären Aufgaben sind die Produktion von Prostatasekret, das im Weiteren zu einem Anteil von etwa 30% der Spermienflüssigkeit beigemengt wird und so bewirkt, dass sich das aufgrund der zähen Samenflüssigkeit anfänglich unbewegliche Sperma verflüssigt und sich im Rahmen der weiblichen Befruchtung in Richtung des Eileiters fortbewegen kann, sowie die Lagerung und Ejakulation der Spermien während des Orgasmus in Form der Kontraktion der Prostata und des Samenleiters. Sie ist darüber hinaus wesentlich für die Blasenleerung und fungiert als Weiche, die je nach Erektion des Penis entweder für Urin oder für Sperma geöffnet ist.

Die Frage, ob auch in Frauen ein homologes Äquivalent zur Prostata beschrieben werden kann, ist aktueller Gegenstand der Forschung. Die hohe Konzentration des prostataspezifischen Antigens (PSA) und die histologische sowie immunhistochemische Ähnlichkeit der Paraurethraldrüse im weiblichen Körper legen zwar nahe, sie mit der männlichen Prostata zu vergleichen. Vor allem Unklarheiten bezüglich der funktionellen Anatomie, physiologischen Rolle und des entwicklungsbiologisch-embryologischen Ursprungs erschweren jedoch eine klare Beantwortung dieser Frage. Im Rahmen der Prostatakrebsbehandlung spielt sie jedenfalls keine Rolle. Tumore in der Paraurethraldrüse werden nicht als klassisches Prostatakarzinom definiert.

Tritt ein Prostatakarzinom auf und erreicht es ein für den Patienten wahrnehmbares Ausmaß, äußert sich das symptomatisch in Schwierigkeiten zu Beginn des Urinierens bis hin zur gänzlichen Unfähigkeit zu demselben (Harnverhaltung), in einem vermehrten Harndrang (insbesondere nachts), schwachem oder unterbrochenem Harnfluss, einer schmerzhaften Ejakulation sowie durch Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit. Prostatakrebs ist eine Alterserkrankung. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren. Vor dem 50. Lebensjahr ist das Auftreten des Tumors selten. Zudem gibt es eindeutige genetische Risikofaktoren, die die Erkrankung an einem Prostatatumor begünstigen. So sind etwa 5 – 10% aller Erkrankungen auf monogenetisch vererbte (autosomal dominante) Ursachen zurückzuführen. Verglichen zu vielen anderen Tumorarten ist die kumulierte relative 5-Jahres-Überlebensrate beim Prostatakarzinom mit 92% sehr hoch, weswegen sich seine Diagnose nur selten als akute Notsituation, sondern zumeist eher in einem chronischen Krankheitsverlauf äußert.

Ist der Tumor lokal begrenzt, werden abseits der Active Surveillance zumeist Brachytherapie, fokale Therapie oder die radikale Prostatektomie zur Behandlung eingesetzt. Erreicht er jedoch ein metastasierendes, hormonsensitives oder kastrationsresistentes Stadium, verbleibt neben der Chemotherapie lediglich die nicht kurative Androgendeprivationstherapie als Methoden zur gesamtheitlichen Bekämpfung und Hinauszögerung des Tumorwachstums. Dabei wird entweder durch eine Orchiektomie oder die Einnahme oraler, subkutaner (Injektion und Implantation) sowie nasaler Medikamente der Testosteronspiegel gesenkt, um das Wachstum jeglicher Prostatazellen – also auch Prostatakarzinomzellen – einzudämmen. Das gelingt molekular betrachtet auf sehr unterschiedliche Herangehensweisen, die im weiteren Verlauf der Arbeit erläutert werden.

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Operative Eingriffe mittels ferngesteuerter Roboter? Die DaVinci-Methode macht’s möglich! Bereits seit einigen Jahren werden in progressiven Krankenhäusern Prostatektomien (=Prostata-Entfernungen) auf diese Weise durchgeführt. Wie genau das funktioniert, berichtet Jonas in diesem Video.

Was ist die radikale Prostatektomie? Für wen kommt sie in Frage?

Unter der radikalen Prostatektomie versteht man die operative Entnahme der Prostata. Mit der Entfernung des gesamten Organs soll auch der Tumor gänzlich entfernt werden – vorausgesetzt, der Krebs hat sich noch nicht durch Metastasen ausgebreitet.

Maßgeblich relevant für die Entscheidung einer radikalen Prostatektomie sind der PSA-Verlauf, Gleason-Score, also die Biopsie-Ergebnisse, der Allgemeinzustand des Patienten und das beobachtete Verhalten sowie die Eigenschaften des individuellen Tumors bei Active Surveillance. Häufig wird sie als anschließende Behandlungsoption für Patienten mit aktiver Überwachung angeboten, deren Prostatakarzinom bedenkliches Wachstum aufzeigt und Gefahr läuft, fortzuschreiten. Ideal geeignet ist die Methode für ansonsten gesunde Patienten mit einer Lebenserwartung von über 10 Jahren mit lokal begrenztem Tumor (≤T2). Auch Betroffene mit lokal fortgeschrittenem Tumor kommen für die radikale Prostatektomie in Frage, müssen allerdings in vielen Fällen für eine vollständige Bekämpfung noch weitere multimodale Therapiekonzepte in Anspruch nehmen.

Durchführung der radikalen Prostatektomie

Die radikale Prostatektomie kann auf sehr unterschiedliche Weisen durchgeführt werden. Im Wesentlichen lassen sich drei Methoden unterscheiden: 

Offene Operation: Hierbei schneidet die Chirurgin den Unterbauch auf, um auf direktem Weg die Prostata zu erreichen. Durch einen einzigen großen Unterbauchschnitt, der sich etwa 10 - 12 Zentimeter vom Schambein bis zum Nabel erstreckt, erhält sie direkten Zugang zum Organ und kann es auf herkömmliche Weise entfernen. Die offene Operation gilt allgemein als die konservativste und ursprünglich häufigste Variante, die allerdings in den letzten beiden Jahrzehnten zunehmend schrittweise von anderen Operationstechniken abgelöst wird.

Laparoskopische Operation: Bei dieser Methode verzichtet die Operateurin auf einen länglichen Schnitt entlang des Unterbauchs, indem stattdessen nur punktuell an ein paar Stellen ins Gewebe eingedrungen wird, um auf diesen Weg mit den notwendigen OP-Utensilien in den Bauchraum zu gelangen. Statt einer großen länglichen, hinterbleiben hier also wenige kleine Narben. Durchgeführt wird sie dabei wie die offene Operation in unmittelbarer Nähe zum Patienten.

Roboter-assistierte Operation (RALP): Auch jede roboterunterstützte Operation ist laparoskopisch. Der wesentliche Unterschied zu den anderen beiden Varianten ist hier die Nutzung eines Roboters. Das gängigste Modell stellt dabei das Da-Vinci-Operationssystem vom Hersteller “Intuitive” dar, bei dem man zwischen dem Si- und dem Xi-System unterscheidet. Letzteres ist die neuartige und günstigere Version mit tendenziell besserer Heilung. Prinzipiell gibt es zwar auch andere vergleichbare Geräte, in Österreich wird allerdings nur genanntes Da-Vinci-System verwendet. Vorstellen kann man sich das in etwa so: Die Chirurgin setzt sich an eine Konsole, bei der sie ihre Stirn an eine Art befestigte 3D-Brille drückt, durch die sie aus unmittelbarer Perspektive einer kleinen, aber scharfen Kamera sehen kann. Folglich führt sie ihren Daumen und Zeigefinger in eine Art Sattel an zwei mit dem Gerät verbundene Controller, mittels welcher sie ihr OP-Besteck bedient. Die Hände der operierenden Ärztin befinden sich nun also nahezu losgelöst auf Brusthöhe, wodurch ihr jede Menge Freiraum gegeben ist. Bewegt sie nun also ihre Hände und Finger, so überträgt sich das auf ihre nun erworbenen "Roboterarme". Mithilfe ihrer Beine kann sie währenddessen jederzeit die Kameraperspektive verändern. Anbei ein kurzes Video zum DaVinci-Roboter:

 

Derzeitiger Stand in Österreich

Im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte gewann das roboterassistierte Operationsverfahren insbesondere in Österreich an Bedeutung und gilt mittlerweile als der Goldstandard. Entscheidende Vorteile der RALP gegenüber des Ursprungsverfahrens ist die akkurate und umfassende Handhabung des OP-Werkzeugs, was den Operierenden ermöglicht, aus ansonsten unmöglichen Winkeln und Positionen heraus zu handeln. Weiters gleicht das System das natürliche Zittern der Chirurgen aus, indem es einstellen kann, dass eine tatsächliche Handbewegung von 10 Zentimetern zum Beispiel lediglich eine einzige Zentimeter-Verschiebung des Roboterarms bewirkt. Das funktioniert im Prinzip sehr ähnlich wie der Mauszeiger eines Computers, der sich ja ebenfalls nicht im exakt selben Ausmaß bewegt wie die tatsächliche Hand auf der Tischablage. Je nach benötigter Genauigkeit kann das also nach Belieben am Da-Vinci-Gerät eingestellt und angepasst werden. 

Darüber hinaus zeigen Studien, dass die laparoskopische und roboterassistierte Operation gegenüber der offenen Operation klare Vorteile zugunsten eines niedrigeren Blutverlusts, geringerer Bluttransfusion sowie kürzerer Dauer des Krankenhausaufenthalts aufgrund schnellerer Genesung aufweisen. Folglich fasst auch der langjährige Primar und Leiter der Abteilung für Urologie am Ordensklinikum Linz Elisabethinen Dr. Wolfgang Loidl die derzeitige Situation zusammen:

“Die roboterunterstützte Operationstechnik hat aufgrund seiner [sic] hohen Präzision und Sicherheit in den USA die konventionelle laparoskopische Prostataentfernung nahezu vollständig und die offene Operation bereits weitgehend verdrängt." 

Einzig achten sollte man darauf, dass der behandelnde Chirurg bereits Erfahrung mit Robotersystemen hat. Denn es ist deutlich, dass geübte Ärzte den besten Erfolg aufzeigen. So hat zum Beispiel Dr. Loidl selbst über 1400 RALPs durchgeführt, was ihm die ausgezeichnete Fähigkeit verleiht, unterschiedlichste OP-Situationen richtig einzuschätzen und möglichst minimalinvasiv zu lösen. In all der Fülle seiner Patienten war dabei zudem keine einzige Blutkonserve nötig und es kam lediglich ein einziges Mal zu einer Konversion, was bedeutet, dass die RALP inmitten der OP abgebrochen und auf eine offene Operation ausgewichen werden musste. 

RPE im Vergleich zu alternativen Behandlungsmethoden – Vorteile und Kritik

Die Prostata ist ein wichtiges Organ, das wesentlich zu einer funktionierenden und gesunden Kontinenz sowie Potenz beiträgt. Die Entnahme der Prostata ist ein irreversibler Vorgang, der meist mit einer Einschränkung dieser Funktionen einhergeht. Während man Inkontinenz mittlerweile bereits aufgrund einer sehr genauen und feinen Präparationstechnik recht gut im Griff hat, sieht das bei Impotenz derzeit leider noch anders aus. So betont etwa der Linzer Urologe Dr. Sommerhuber zwar sein Vertrauen in die Fähigkeiten der behandelnden Ärzte in den umliegenden Spitälern, möchte aber klarstellen, dass die Potenz bei nahezu allen Patienten nach ihrer Prostatektomie beeinträchtigt ist. In einer Befragung aus 306 Patienten, die zwischen April 2022 und 2023 durchgeführt wurde, gaben lediglich 6% der Betroffenen an, keine negative Veränderung bezüglich ihrer sexuellen Fähigkeiten bemerkt zu haben. Vollständigkeitshalber muss erwähnt sein, dass erektile Dysfunktion in manchen Fällen durch eine Neurapraxie begründet ist, bei der sich die verletzten Nerven noch Jahre später erholen können – eine postoperative Verbesserung zeigt sich dennoch lediglich bei etwa einem Viertel aller Patienten. Im Hinblick auf das allgemeine gesundheitliche Risiko stuft er die OP insgesamt als durchaus einschneidenden Eingriff mit allerdings gut abschätzbarem perioperativem (= nach der Operation) Risiko ein – vorausgesetzt man entscheidet sich für eine kompetente Ärztin bzw. einen kompetenten Arzt.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass die radikale Prostatektomie eine äußerst effiziente Behandlungsmethode ist, um lokal begrenzte Tumore zu bekämpfen. Allerdings treten nicht selten Nebenwirkungen auf, die in manchen Fällen nur bedingt gelöst werden können und Betroffene in ihrer Lebensqualität einschränken. Viele Patienten entscheiden sich aus diesem Grund zuvor für alternative Behandlungen wie aktive Überwachung, Watchful Waiting oder Strahlentherapie – in der Hoffnung, Impotenz und Inkontinenz als unerwünschte dauerhafte Begleiterscheinungen zu verhindern. Seit 2021 kann in Österreich unter bestimmten Bedingungen auch die noch wenig geprüfte fokale Therapie angeboten werden, in der nur das Krebsgewebe entfernt wird, während der Rest der Prostata so weit wie möglich unversehrt bleibt.

Wichtig: Wir von PATIO sind darum bemüht, unsere Informationen zu prüfen und durch Fachkundige abzusichern. So erfolgte die Freigabe des Textes durch den in Linz niedergelassenen Urologen Dr. Sommerhuber. Dennoch dienen Artikel auf patiospots.com ausschließlich zur Informationsübermittlung und ersetzen kein ärztliches Gespräch. Jeder Prostatakrebs muss individuell betrachtet und medizinisch abgeklärt werden.

Autor: Jonas Winter


Quellen (zuletzt abgerufen am 11.5.2023):

  • https://www.ordensklinikum.at/de/patienten/medizinische-zentren/prostatazentrum/operationsroboter-davinci/
  • Moschovas MC, Brady I, Jaber AR, Zeinab MA, Kaviani A, Kaouk J, Crivellaro S, Joseph J, Mottrie A, Patel V. Da Vinci SP radical prostatectomy: a multicentric collaboration and step-by-step techniques. Int Braz J Urol. 2022 Jul-Aug;48(4):728-729. doi: 10.1590/S1677-5538.IBJU.2022.99.15. PMID: 35363458; PMCID: PMC9306363.
  • Lei, KY., Xie, WJ., Fu, SQ. et al. A comparison of the da Vinci Xi vs. da Vinci Si surgical systems for radical prostatectomy. BMC Surg 21, 409 (2021). https://doi.org/10.1186/s12893-021-01406-w
  •  Francavilla S, Veccia A, Dobbs RW, Zattoni F, Vigneswaran HT, Antonelli A, Dal Moro F, Autorino R, Simeone C, Crivellaro S. Radical prostatectomy technique in the robotic evolution: from da Vinci standard to single port-a single surgeon pathway. J Robot Surg. 2022 Feb;16(1):21-27. doi: 10.1007/s11701-021-01194-8. Epub 2021 Feb 7. PMID: 33554284; PMCID: PMC8863749.
  • Cao L, Yang Z, Qi L, Chen M. Robot-assisted and laparoscopic vs open radical prostatectomy in clinically localized prostate cancer: perioperative, functional, and oncological outcomes: A Systematic review and meta-analysis. Medicine (Baltimore). 2019 May;98(22):e15770. doi: 10.1097/MD.0000000000015770. PMID: 31145297; PMCID: PMC6709105.
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  • Health Quality Ontario. Robotic Surgical System for Radical Prostatectomy: A Health Technology Assessment. Ont Health Technol Assess Ser. 2017 Jul 7;17(11):1-172. PMID: 28744334; PMCID: PMC5515322.